Website
Modulhandbuch ab WS 2016/17

Modul PY4893-KP04

Psychoanalyse - Wissenschaft oder Pseudowissenschaft (PsyAn)

Dauer:


1 Semester
Angebotsturnus:


Jedes Sommersemester
Leistungspunkte:


4
Studiengang, Fachgebiet und Fachsemester:
  • Master Psychologie 2013 (Wahlpflicht), Psychologie, Beliebiges Fachsemester
  • Master Psychologie 2016 (Wahlpflicht), Psychologie, Beliebiges Fachsemester
Lehrveranstaltungen:
  • PY4893-S: Psychoanalyse - Wissenschaft oder Pseudowissenschaft (Seminar, 2 SWS)
Workload:
  • 75 Stunden Selbststudium
  • 25 Stunden Präsenzstudium
Lehrinhalte:
  • Seitdem Sigmund Freud am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Analyse und Aufzeichnung von Krankheitsfällen, Symptomen, Träumen und Fehlleistungen die Psychoanalyse begründet hatte, wird immer wieder die Frage nach ihrer Wissenschaft aufgeworfen. Für den Wissenschaftsphilosophen Karl Popper beispielsweise lieferte die Psychoanalyse zwar höchst interessante psychologische Hinweise, doch tue sie dies in einer nicht wissenschaftlich nachprüfbarer Form. Erkenntnisfortschritt, so Popper, vollziehe sich über Widerlegung von Hypothesen. Als Wissenschaft könne nur das gelten, was auch falsifizierbar, also widerlegbar sei. Für Popper war deshalb, wie auch für andere Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts (Thomas Kuhn, Paul Feyerabend), die Psychoanalyse keine Wissenschaft, sondern eine Pseudowissenschaft. Andere Autoren hingegen haben betont, dass die wissenschaftliche Legitimität der Psychoanalyse nicht in der empirischen Überprüfbarkeit ihrer Thesen als vielmehr in ihrem Beitrag zu einem Verständnis des menschlichen Seelenlebens und der Kultur begründet sei. Zudem ist seit einigen Jahren – nicht nur in den Medien – eine verstärkte Auseinandersetzung um die Zukunft der Psychoanalyse zu beobachten: Neue empirische Zugänge und experimentelle Methoden, vor allem der Kognitions- und Neurowissenschaften, aber auch der Psychopharmakologie sorgten heute dafür, dass die Psychoanalyse mit ihren ineffizienten Ansätzen mittlerweile unzeitgemäß und überholt sei. Doch trotzt des medialen Abgesangs, die Debatten um die Psychoanalyse verstummen nicht. Seit ihrem Bestehen lassen sich zahlreiche Versuche aufzeigen, in denen die Psychoanalyse immer wieder neu als Wissenschaft aufgestellt werden sollte. Die lang anhaltenden Auseinandersetzungen um die Psychoanalyse bezeugen nicht nur eine außerordentliche Lebendigkeit dieser vielfältigen Debatten, sondern in ihnen kommt etwas zum Ausdruck, was vielleicht auch auf eine spezifische Verfasstheit der Psychoanalyse als Wissenschaft verweist. Denn ein wesentlicher Punkt dieser Debatten ist – und das ist die Ausgangsfrage und das ist Thema des Seminars – das der Psychoanalyse eigentümliche Wissenschaftsverständnis, das bis in aktuelle Diskurse hinein eine Provokation darzustellen scheint. Hat die Psychoanalyse eine ihr spezifische Wissenschaftsauffassung, und wenn ja, was macht ihre Besonderheit als Wissenschaft aus? Dieser Frage nachgehend will das Blockseminar einen Überblick über einige dieser Perspektiven und Ansätze, auch der mehr oder weniger reduktionistischen, positivistischen und philosophischen Vokabulare, verschaffen. Mit einschlägigen Texten von u.a. Adolf Grünbaum, Paul Riceour, Jürgen Habermas, aber auch von Sigmund Freud selbst, wird anhand der vielfältigen Debatten den Denkmustern und Paradigmen von Wissenschaftlichkeit nachgegangen, die sich in den Auseinandersetzungen um die Psychoanalyse manifestieren. Das Seminar wird im Co-Teaching-Format gemeinsam mit Prof. Dr. Alfred Nordmann vom Institut für Philosophie der TU Darmstadt angeboten, an dem auch Studierende der Philosophie aus Darmstadt teilnehmen werden. In dieser Konstellation von Philosophie, Kulturwissenschaften und Psychologie will das Seminar den wissenschaftstheoretischen und -philosophischen Implikationen der Psychoanalyse nachgehen und dabei auch den Fokus auf die Debatten nach Wirksamkeit, Effizienz und empirischer Überprüfbarkeit im klinischen Kontext legen.
  • Das Seminar setzt keine inhaltlichen Kenntnisse voraus, verlangt wird jedoch die Bereitschaft, sich intensiv mit Texten auseinanderzusetzen.
Qualifikationsziele/Kompetenzen:
  • Theorieverständnis, Kritikfähigkeit, diskursive Auseinandersetzung mit wichtigen Texten zum Thema
  • Kritisches Reflektieren der Publikationspraxis in den psychologischen Wissenschaften
  • Erkenntnistheoretische Kritik der Psychologie und Psychoanalyse
Vergabe von Leistungspunkten und Benotung durch:
  • Essay (benotet)
Modulverantwortlicher:
Lehrender:
Sprache:
  • Wird nur auf Deutsch angeboten
Letzte Änderung:
17.7.2019

Modulhandbuch online

Zur Liste aller Module

Modulhandbuch als PDF

(Stand Oktober 2018)