Beim Stiftungssymposium „Sicher nach vorn" am 5. Mai 2026 in Lübeck haben Vertreterinnen und Vertreter aus Stiftungswesen, Wissenschaft, Politik und Praxis Strategien für Zusammenhalt und demokratische Widerstandsfähigkeit diskutiert.
Possehl-Stiftung, Stifterverband und Universität zu Lübeck haben am 5. Mai 2026 im Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) das Symposium „Sicher nach vorn – Perspektiven im Stiftungssektor" ausgerichtet. Unter den Leitbegriffen Resilienz, Werte und Demokratie diskutierten 120 Gäste aus Stiftungswesen, Wissenschaft, Politik und Praxis, wie Stiftungen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, Teilhabe und demokratischer Widerstandsfähigkeit beitragen können.
Vertrauen unter Druck: drei Brennpunkte für die Stiftungspraxis
In seiner Begrüßung wies Prof. Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck, auf den Druck hin, unter dem Stiftungen wie Hochschulen in geopolitisch unruhigen Zeiten stünden. „Viele aus der Stiftungswelt engagieren sich seit Jahren, Jahrzehnten, manche seit Jahrhunderten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. So mancher stellt sich in diesen Tagen die Sinnfrage. Bei dieser bangen Frage wollen wir nicht stehen bleiben", sagte Braun. Mit Blick auf das in Deutschland zwar hohe, aber rückläufige Vertrauen in die Wissenschaft sehe die Universität ihre Aufgabe auch darin, in Wissenschaftskommunikation, Aufstiegsversprechen, MINT-Förderung und Wissenschaftsfreiheit in die Gesellschaft hineinzuwirken.
Im Anschluss eröffneten drei parallele Workshops das Programm. Im Workshop „Zwischen Wahrheit und Täuschung: Strategien gegen Hassrede und Desinformation" arbeitete die NDR-Kulturchefin Anja Würzberg-Wollermann mit den Teilnehmenden an Mustern digitaler Falschinformation und an Strategien für eine faktenbasierte Kommunikationskultur.
Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrates, leitete den Workshop „Stark im Gegenwind: Strategien von Stiftungen für die Zukunft der Frauenrechte" und diskutierte, wie Stiftungen wirkungsorientiert zur Sicherung von Frauenrechten und zur Resilienz der Demokratie beitragen können.
Birgit Reichel, stellvertretende Vorsitzende des Possehl-Stiftungsvorstandes, leitete den Workshop „Generation Demokratie? – Jugend zwischen Engagement und Erschöpfung" und eröffnete mit der Methode „Sprechen und Zuhören" Zugänge zu einer Generation, deren politisches Verhalten häufig kontrovers diskutiert wird.
Stiftungen als unverzichtbare Akteure der Demokratie
Den Impulsvortrag „Stiftungen: Akteure der Zivilgesellschaft" hielt Rupert Graf Strachwitz, Politikwissenschaftler und Gründer des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft. Er ordnete die Rolle des Stiftungswesens ideengeschichtlich von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bis zu aktuellen Theorien politischer Zivilgesellschaft ein. Der seit 1990 gewachsene Einfluss der Zivilgesellschaft gerate seit Beginn 2025 unter Druck, auch durch das Phänomen des Shrinking Civic Space. Ohne starke, unabhängige Zivilgesellschaft, so Strachwitz, gebe es keine Demokratie; gerade Stiftungen seien aufgerufen, im Schulterschluss mit anderen Akteuren mutige und unabhängige Beiträge zu leisten.
In der anschließenden Podiumsdiskussion standen das schwindende Vertrauen in den gesellschaftlichen Dialog, die Verengung öffentlicher Debatten in Social-Media-Blasen sowie Angriffe auf Pressefreiheit, Frauenrechte und Zivilgesellschaft im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, wie Räume für faktenbasierte Auseinandersetzung entstehen können und welche Bedeutung außerschulische Erlebnisräume für junge Menschen haben. Einigkeit bestand darin, dass zivilgesellschaftliche Strukturen gegen autoritäre Angriffe resilient gehalten werden müssen und dass Stiftungen hier gezielt durch Stärkung von Dialogformaten aufgefordert sind, mitzugestalten.
Insgesamt zeigte das Symposium, dass die Frage nach demokratischer Resilienz Stiftungen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen fordert und dass in Lübeck die Bereitschaft zu gemeinsamem Handeln deutlich zu spüren war.

Anja Würzberg-Wollermann, Kulturchefin des NDR, im Workshop „Zwischen Wahrheit und Täuschung: Strategien gegen Hassrede und Desinformation". (Bild: Ann-Kristin Zoike)

Im Workshop „Stark im Gegenwind" von Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrates, diskutierten die Teilnehmenden Strategien von Stiftungen für die Zukunft der Frauenrechte. (Bild: Ann-Kristin Zoike)

Birgit Reichel, stellvertretende Vorsitzende des Possehl-Stiftungsvorstandes, im Workshop „Generation Demokratie? – Jugend zwischen Engagement und Erschöpfung". (Bild: Ann-Kristin Zoike)

Rupert Graf Strachwitz, Politikwissenschaftler und Gründer des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft, beim Impulsvortrag „Stiftungen: Akteure der Zivilgesellschaft". (Bild: Ann-Kristin Zoike)

Auf dem Podium (v. l. n. r.): Rupert Graf Strachwitz, Anja Würzberg-Wollermann, Judith Rahner, Birgit Reichel, Matthias Schmolz und Prof. Dr. Helge Braun. Moderation: Muschda Sherzada. (Bild: Ann-Kristin Zoike)

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