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Sunday, 21-05-2017

Research

14,4 Millionen Euro für die Vernetzung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung investiert für die biomedizinische Forschung - Über 30.000 Patienten unterstützen das Lübecker Biobankkonzept

Elf deutsche Biobankstandorte haben sich ab dem 1. Mai 2017 in der German Biobank Alliance (GBA) zusammengeschlossen, um den Weg für einen nationalen und europaweiten Bioproben- und Datenaustausch zwischen Biobanken zu ebnen. Das Interdisziplinäre Centrum für Biobanking-Lübeck ist Partner in dem Verbund.

„Die deutschen Biobanken engagieren sich in einer wegweisenden gemeinsamen Initiative, die die Grundlage für eine neue Generation von europaweit vernetzten Biobanken schafft“, erläutert die Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der Initiative, Prof. Fay Betsou. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Biobankenallianz bis 2020 mit 14,4 Millionen Euro.

„Vernetzte, hochmoderne Biobanken tragen entscheidend dazu bei, innovative diagnostische Methoden und Therapien für die Behandlung von Patienten zu entwickeln“, erläutert Prof. Dr. Dr. med. Jens K. Habermann, Direktor des Interdisziplinären Centrums für Biobanking-Lübeck. Biobanken sammeln und lagern Blut, Gewebe sowie anderes Körpermaterial und stellen dies für die biomedizinische Forschung zur Verfügung. So entstehen bedeutende Proben- und Datenspeicher für die Erforschung von Erkrankungen.

Das Interdisziplinäre Centrum für Biobanking-Lübeck (ICB-L) ist der Zusammenschluss von über 40 Fachdisziplinen der Kliniken und Institute der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Damit bildet das ICB-L die Basis für die Spitzenforschung zum Wohle der Patienten. Das ICB-L hat im Juli 2015 ein neues ethisch und rechtlich genauestens überprüftes, dreistufiges Patientenaufklärungs- und –einwilligungskonzept eingeführt. Damit kann ein Patient in der zentralen Patientenaufnahme zustimmen, ob seine Patienten- und Behandlungsdaten für Forschungszwecke verfügbar gemacht werden dürfen. Seit Juli 2015 haben bislang über 30.000 Patienten in das neue Verfahren eingewilligt und unterstützen so das Lübecker Biobankkonzept zur Erforschung von Erkrankungen als Basis für eine maßgeschneiderte Patientenversorgung.

Um den Austausch von Biomaterial und den zugehörigen Daten sowohl zwischen deutschen Biobanken als auch innerhalb von Europa zu ermöglichen, ist ein umfangreicher Harmonisierungsprozess notwendig. Standards für den Austausch von Daten und für die Qualität der Biomaterialen, aber auch ethische und rechtliche Aspekte müssen diskutiert und angeglichen werden. Nur so lassen sich Biomaterial und deren Daten über Biobanken und Ländergrenzen hinweg für die Forschung zusammenführen und nutzen.

„Der Aufwand lohnt sich, denn vernetzte Biobanken mit einer hohen Probenqualität sind die Basis für eine aussagekräftige, reproduzierbare medizinische Forschung“, erläutert der Koordinator der GBA Prof. Dr. Michael Hummel. Die Qualität und Verfügbarkeit der Biomaterialien und der assoziierten Daten sind von entscheidender Bedeutung. Gerade im Hinblick auf die individualisierte Präzisionsmedizin ist die Vernetzung von Biobanken und die Harmonisierung von Datenformaten und Prozessen essentiell, um aussagekräftige und vergleichbare Analysen durchzuführen zu können. 

"Die German Biobank Alliance ist eine ausgezeichnete Chance für die Biobank-Community in Deutschland", so Prof. Michael Hummel. "Sie wird dazu beitragen, die biomedizinische Forschung auf lange Sicht zu beschleunigen und die Position Deutschlands in der europäischen und internationalen Forschungsgemeinschaft zu stärken."

Über die German Biobank Alliance

Die German Biobank Alliance wurde 2017 vom German Biobank Node (GBN) initiiert. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), versteht sich GBN als zentrale Kooperationsplattform für die deutsche Biobankengemeinschaft. Unter dem Dach von GBN arbeiten elf BMBF-geförderte Biobanken und zwei IT-Entwicklungszentren in der German Biobank Alliance (GBA) zusammen, um vorhandene Biomaterialen verschiedener Biobanken europaweit für die biomedizinische Forschung verfügbar zu machen.

Elf deutsche Biobanken haben sich in der German Biobank Alliance (GBA) zusammengeschlossen. Gemeinsam lagern sie fast 14 Millionen Bioproben, die für die Forschung zur Verfügung stehen. Bis 2020 werden sie daran arbeiten, dass diese Proben und Daten zwischen Biobanken in Deutschland und Europa ausgetauscht werden können. Dafür werden gemeinsame IT-Infrastrukturen erarbeitet, Qualitätsstandards implementiert sowie rechtliche und ethische Standards harmonisiert.

Partner der German Biobank Alliance (Grafik: GBA)

Prof. Dr. Dr. Jens K. Habermann