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Freitag, 19.06.2009

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Radikales Umdenken bei der Behandlung von Essstörungen?

Prof. Christopher Fairburn aus Oxford auf der Verhaltenstherapiewoche an der Universität Lübeck zu Gast

Einer der weltweit bekanntesten Experten für Essstörungen, Prof. Christopher Fairburn von der Universität Oxford, ist zu Gast an der Universität Lübeck. Er hält im Rahmen der 80. Verhaltenstherapiewoche am Freitag, dem 19. Juni 2009, einen Vortrag zum Thema "Behandlung von Essstörungen - Ist radikales Umdenken erforderlich?" (15 Uhr, Haus 34, "Altes Kesselhaus").

Prof. Fairburn ist Professor für Psychiatrie an der Universität Oxford und leitet dort das "Centre of Research on Eating Disorders". Er hat vor etwa 20 Jahren ein spezielles verhaltenstherapeutisches Behandlungsprogramm für die Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa) entwickelt, die Cognitive Behavioral Therapy (CBT). Es ist inzwischen das am meisten beforschte Therapieprogramm im Essstörungsbereich und hat die gesamte Behandlungssituation wesentlich beeinflusst. Mit dem in den letzten Jahren erweiterten Programm (CBT-E) werden nun nicht nur Bulimia nervosa, sondern auch andere Formen von Essstörungen behandelt.

Neue Daten zu Epidemiologie, Verlauf und Behandlung stellen die klassische Einteilung in Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht) und Binge-Eating-Störung (Fressattacken) in Frage. Die Ähnlichkeiten in Symptomatik, Mustern von Komorbidität, Verlauf und Reaktion auf Behandlung erweisen sich als weit größer als die Unterschiede. Die Mehrzahl der Patientinnen wechseln im Verlauf der Erkrankung zwischen den verschiedenen Klassifizierungen.

Dies bringt sowohl für die Patientinnen wie für die Therapeuten eine besondere Problematik mit sich. Normalisiert eine Patientin mit Anorexia nervosa vom bulimischen Typus ihr Gewicht, zeigt aber weiter eine bulimische Symptomatik, dann verändert sich ihre Diagnose in Bulimia nervosa. Vom Schweregrad der Erkrankung her betrachtet, ist dies ein Fortschritt in der Therapie, die Situation kann sich aber durch den Diagnosewechsel wie eine Neuerkrankung darstellen. Für die Patientin kann das die Therapiemotivation beeinträchtigen ("Ich wechsle nur von Erkrankung zu Erkrankung, werde aber nicht gesund"). Für den Therapeuten ergibt sich aus der neuen Diagnose die Frage, ob eine neue Behandlungsstrategie erforderlich ist.

Vor diesem Hintergrund erscheint ein transdiagnostischer Ansatz in Diagnostik und Therapie sowohl wissenschaftlichen wie praktischen Überlegungen besser zu genügen. Prof. Fairburn, der diesen Ansatz vertritt, hat dafür in einer umfassenden Studie bereits überzeugende Ergebnisse nachgewiesen.

Zur Verhaltenstherapiewoche, die seit zehn Jahren in Lübeck ausgerichtet wird, werden etwa 180 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und dem deutschsprachigen Ausland erwartet. Prof. Fairburn hält seinen Vortrag in Englisch, ein deutschsprachiges Script wird zur Verfügung gestellt.

Außer Prof. Fairburn sprechen auf der Eröffnungsveranstaltung aus Lübeck Dr. Valerija Sipos und Prof. Dr. Achim Peters von der Klinischen Forschergruppe "Selfish Brain", die Moderation hat Prof. Dr. Ulrich Schweiger, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Interessierte Gäste sind willkommen. Der Kostenbeitrag für die Teilnahme beträgt 40 Euro, ermäßigt 20 Euro.

Prof. Christopher Fairburn

Prof. Christopher Fairburn