
Dr. Tim Schrills (vorne rechts) von der Universität zu Lübeck hat mit weiteren Forschenden, Vertreter*innen der Stadtwerke Lübeck und der Bürger*innenräte Empfehlungen an Senatorin Joanna Hagen (2. v. l.), Julia Samtleben (vorne Mitte) und Michael Stödter (2. v. r.) übergeben. (Foto: Elena Vogt / Uni Lübeck)
Bürger*innen übergeben Empfehlungen an Entscheider*innen – Forschende der Universität zu Lübeck haben zwei Bürger*innenräte wissenschaftlich begleitet
Wie kann lümo als Alternative zum privaten Pkw bedürfnisgerecht weiterentwickelt werden? Mit dieser Frage haben sich 30 Menschen aus Lübeck, Stockelsdorf und Bad Schwartau gerade intensiv beschäftigt. Forschende des Instituts für Menschzentrierte Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck haben sie dabei wissenschaftlich begleitet.
Die Bürger*innenräte haben im November 2025 an drei Terminen mit zufällig ausgewählten Teilnehmenden stattgefunden. Die Teilnehmenden waren zuvor über Einladungsbriefe kontaktiert worden. Bei den vierstündigen Workshops ging es um die Themen bedürfnisorientierte Mobilität, die Weiterentwicklung von On-Demand-Angeboten sowie Finanzierungs- und Preismodelle im Öffentlichen Personennahverkehr am Beispiel des On-Demand-Busses lümo.
Ziel war es, gemeinsam Empfehlungen an Entscheider*innen zu formulieren, wie das lümo-Angebot künftig ausgestaltet werden sollte. Beim lümo handelt es sich um den On-Demand-Bus der Stadtwerke Lübeck Mobil, der flexible Fahrten außerhalb fest vorgegebener Linien und Fahrzeiten ermöglicht.
Am 19. Februar 2026 wurden die Empfehlungen an Joanna Hagen, Senatorin für Bauen und Verkehr der Hansestadt Lübeck, Julia Samtleben, Bürgermeisterin von Stockelsdorf, sowie den Verkehrswendebeauftragten der Hansestadt Lübeck, Michael Stödter, übergeben.
Die erarbeiteten Empfehlungen betreffen verschiedene Aspekte, wie das Mobilitätsangebot zukünftig gestaltet werden könnte. Dies umfasst unter anderem die Aufstockung der Fahrzeugflotte sowie eine Erweiterung des Betriebsgebiets auf weitere Stadtteile und umliegende Dörfer. Gleichzeitig soll die Barrierefreiheit und Nutzer*innenfreundlichkeit gestärkt werden, etwa durch eine komfortable Haustürabholung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder die Nutzung der Fahrzeuge für Krankentransporte in Zeiten, in denen das lümo regulär nicht fährt.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die bessere Verzahnung mit dem bestehenden ÖPNV, beispielsweise durch die Einrichtung von Park-&-Ride-Zonen, die es Bürger*innen ermöglichen, ihren Pkw am Stadtrand abzustellen und bequem mit dem lümo in die Innenstadt zu fahren. Ergänzend werden Anpassungen bei Tarif- und Finanzierungsmodellen sowie der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit empfohlen. Es wird dabei beachtet, wie das Angebot langfristig, sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig finanziert werden kann.
Das vollständige Dokument mit allen Ergebnissen ist auf der Projektwebsite hinterlegt: https://www.in2luebeck.de/blog
Die Rolle der Forschenden des Instituts für Menschzentrierte Interaktive Systeme bestand darin, die Bürger*innen – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen – zu informieren und den gemeinsamen Arbeitsprozess so zu gestalten, dass faktenbasierte Empfehlungen auf Grundlage persönlicher Erfahrungen und Perspektiven entstehen konnten. „Für uns war es besonders beeindruckend zu sehen, wie praktische Demokratie aussehen kann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen konstruktiv zusammenarbeiten“, sagt Dr. Tim Schrills, Projektkoordinator des in2Lübeck-Projekts. „Trotz unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Ansichten, sowie unterschiedlichen eigenen Erfahrungen wurde stets respektvoll diskutiert und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen gesucht.“
Mit der Übergabe der Empfehlungen enden die Bürger*innenräte. Das Forschungsprojekt läuft regulär am 30. Juni 2026 aus. Der Weiterbetrieb von lümo ist vorbehaltlich der Haushaltszustimmung bis zum 31.12.2026 sichergestellt. Nun liegt es in der Hand der Entscheider*innen aus Politik und Verwaltung, wie mit den Empfehlungen ab 2027 umzugehen ist.
Über lümo: lümo ergänzt das Liniennetz in Lübeck, Stockelsdorf und Bad Schwartau. Abends ab 20 Uhr können Fahrten über die gleichnamige App gebucht werden. Das Angebot kann von Montag bis Freitag bis 01 Uhr, am Wochenende und vor Feiertagen bis 04 Uhr des Folgetages genutzt werden.
Über das Projekt in2Lübeck: Das Verbundprojekt in2Lübeck der Stadtwerke Lübeck Mobil und der Universität zu Lübeck wird vom Bundesministerium für Bildung, Forschung, Technologie und Raumfahrt innerhalb des Programms MobilitätsWerkStadt 2025 seit sechs Jahren gefördert. Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung und Integration des On-Demand-Ridepooling-Angebots lümo in den öffentlichen Personennahverkehr.
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