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Donnerstag, 29.10.2026

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Universität zu Lübeck trauert um Prof. Ernst Theodor Rietschel

Foto: Ralf Günther

Die Universität nimmt Abschied von einem herausragenden Wissenschaftler, einem prägenden Gestalter der deutschen Forschungslandschaft und einem entschiedenen Fürsprecher unserer Universität. Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Ernst Theodor Rietschel ist am 20. Oktober 2026 im Alter von 85 Jahren verstorben.

Ernst Rietschel war der Universität zu Lübeck über Jahrzehnte eng verbunden. 1980 wurde er auf die Professur für Immunchemie und Biochemische Mikrobiologie an der damaligen Medizinischen Hochschule Lübeck berufen. Zugleich übernahm er die Leitung des Forschungsinstituts Borstel, des heutigen Forschungszentrums Borstel – Leibniz Lungenzentrum, die er bis 2005 innehatte.

Als international anerkannter Wissenschaftler leistete er grundlegende Beiträge zur Erforschung bakterieller Endotoxine und der molekularen Mechanismen von Entzündungsreaktionen. Von 1993 bis 2005 war er Sprecher des Sonderforschungsbereichs 367 „Molekulare Mechanismen entzündlicher und degenerativer Prozesse“. Damit trug er entscheidend dazu bei, die Entzündungsforschung als wissenschaftlichen Schwerpunkt in Lübeck zu etablieren. Seine wissenschaftliche und strategische Arbeit legte wichtige Grundlagen für die spätere Exzellenzforschung in Schleswig-Holstein. Als Gründungs- und Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters „Inflammation at Interfaces“ und später als Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) begleitete er diese Entwicklung über viele Jahre. 2025 wurde er zum Ehrenmitglied des Exzellenzclusters PMI ernannt.

Auch über Lübeck hinaus prägte Ernst Rietschel die Wissenschaftspolitik. Von 2005 bis 2010 stand er als Präsident an der Spitze der Leibniz-Gemeinschaft. Anschließend wirkte er unter anderem als Gründungsdirektor und Vorstandsvorsitzender des Berlin Institute of Health. Seine Arbeit war von der Überzeugung getragen, dass wissenschaftliche Exzellenz durch Zusammenarbeit, institutionelle Offenheit und verlässliche Rahmenbedingungen entsteht.

Besonders dankbar erinnert sich die Universität zu Lübeck an seinen entschlossenen Einsatz während ihrer existenziellen Krise im Jahr 2010. Als die Landesregierung die Einstellung des Medizinstudiums in Lübeck plante und damit die Zukunft der Universität infrage stellte, bezog Ernst Rietschel öffentlich und unmissverständlich Stellung für ihren Erhalt. In einem offenen Brief an den damaligen Wissenschaftsminister Jost de Jager warnte er vor den weitreichenden Folgen einer Schließung für die gesamte Forschungslandschaft der Region. Er setzte damit seine wissenschaftspolitische Autorität für die Universität ein, der er sich auch nach seiner aktiven Tätigkeit tief verbunden fühlte.

2010 verlieh ihm die Medizinische Fakultät der Universität zu Lübeck die Ehrendoktorwürde – als Ausdruck der Anerkennung seiner außergewöhnlichen wissenschaftlichen Verdienste und seiner Verbundenheit mit unserer Universität.

Mit Ernst Rietschel verlieren wir nicht nur einen bedeutenden Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager, sondern auch eine Persönlichkeit, die durch Weitsicht, Integrität und menschliche Zugewandtheit beeindruckte. Er verstand es, Menschen und Institutionen zusammenzuführen, Vertrauen zu schaffen und wissenschaftliche Entwicklungen weit über seine eigene Wirkungszeit hinaus zu ermöglichen.

Die Universität zu Lübeck wird Ernst Theodor Rietschel ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Sein Wirken bleibt Teil unserer Geschichte und unseres wissenschaftlichen Selbstverständnisses.

Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau und seiner Familie.