Neue leistungsfähige und hochsichere Infrastruktur für KI-Forschung und sensible medizinische Daten
Die Erforschung und Entwicklung von sicherer und vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz in der Medizin ist ein wichtiger Schwerpunkt der Universität. Dafür erhält sie jetzt 29 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium. Im Rahmen von zwei „AnoMed“-Projekten wird ein großes Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz aufgebaut.
Mit dem Vorhaben entsteht auf dem Campus ein leistungsfähiges und sicheres KI-Rechenzentrum, das zu den größten Einrichtungen dieser Art im öffentlichen Forschungsumfeld Norddeutschlands zählen wird. Ziel ist es, optimale Bedingungen für die Spitzenforschung an sicheren, sehr großen KI-Modellen zu schaffen und die sichere Verarbeitung sensibler Forschungsdaten zu ermöglichen. Insbesondere für hochsensible medizinische Daten entsteht mit dem KI-Rechenzentrum AnoMed eine Infrastruktur, die leistungsfähige KI-Forschung und höchste Sicherheitsstandards, auch im Quantenzeitalter, verbindet.
Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Universität zu Lübeck bereits seit mehreren Jahren in diesem wichtigen Bereich. Mit der Hightech-Agenda von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär wird mit der jetzigen Förderung im Bereich KI und Medizin in Lübeck eine neue Dimension erreicht. Das Ziel der Agenda, in Deutschland in wichtigen Technologiefeldern konkurrenzfähig zu sein, wird hier beispielhaft und auch in hoher Geschwindigkeit umgesetzt.
Pionierarbeit für eine vertrauenswürdige Datennutzung
„In den nächsten Jahren erwarten wir erhebliche Verbesserungen für die Patienten durch die Unterstützung der Behandlung mit Künstlicher Intelligenz. Der Umgang mit diesen sensiblen Daten muss sicher und vertrauenswürdig sein. Professor Mohammadi und sein Team leisten hier im Projekt „AnoMed“ Pionierarbeit, um diese Datennutzung überhaupt vertrauenswürdig möglich zu machen. Bei dieser Arbeit wird uns das leistungsstarke KI-Rechencluster sehr voranbringen, und auch anderen Forschenden steht diese beeindruckende Infrastruktur natürlich offen. Diese Förderung durch das Bundesforschungsministerium ist ein großer Schritt für uns. Ich freue mich sehr“, betont Prof. Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck.
Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern soll das KI-Rechenzentrum noch in diesem Jahr aufgestellt und in Betrieb genommen werden. Hierfür wird eine eigenständige Infrastruktur mit neu aufgebauter Energie- und Kühlversorgung sowie abgesicherten Rechen- und Datenbereichen realisiert. Vernetzte Hochleistungs-Cluster erzielen mit GPUs der neuesten Technologie eine erwartete Gesamtrechenleistung von über 3.000 PetaFlops für das Training von KI-Modellen. Somit werden technische Voraussetzungen für anspruchsvolle KI-Anwendungen in Wissenschaft und Forschung geschaffen.
Zentraler Aspekt ist der Aufbau eines Schutz- und Servicekonzepts, um hochschutzbedürftige Daten sicher verarbeiten zu können. Insbesondere widmet sich das Projekt Forschungsfragen zur sicheren Nutzung sensibler Daten und zur Weiterentwicklung moderner Anonymisierungsverfahren. Mit dem KI-Rechenzentrum AnoMed stärkt die Universität ihre Profilbereiche in IT-Sicherheit, KI-Forschung sowie Medizin und schafft eine Infrastruktur, die hochskalierte Rechenleistung mit höchsten Sicherheitsstandards für sensible Gesundheitsdaten verbindet.
Neue Größenordnung in der Forschung für sichere KI
„Mit AnoMed erreichen wir eine neue Größenordnung in der Forschung für sichere KI“, sagt Prof. Dr. Esfandiar Mohammadi, wissenschaftlicher Leiter des Kompetenzclusters AnoMed und Leiter der Arbeitsgruppe Privacy & Security des Instituts für IT-Sicherheit der Universität zu Lübeck. Er ergänzt: „Die neue Infrastruktur ermöglicht es uns, sehr große KI-Modelle unter hohen Sicherheitsanforderungen zu entwickeln und zu analysieren. Zugleich können wir zentrale Forschungsfragen zur sicheren Nutzung sensibler medizinischer Daten und zur Weiterentwicklung moderner Anonymisierungsverfahren systematisch bearbeiten.“
Er betont weiter: „Wir forschen seit 2022 mit den Projekten AnoMed I und II an sicherer Datennutzung für medizinische Anwendungen und werden dafür bereits vom Bundesforschungsministerium mit einem Gesamtvolumen von 17 Millionen Euro gefördert. Mit der jetzigen Bewilligung des KI-Rechenzentrums wird dieser Forschungsbereich insgesamt mit 46 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das freut mich sehr.“
„Wir bauen eine hochskalierbare und abgesicherte Infrastruktur auf, bei der leistungsfähige GPU-Cluster eng miteinander vernetzt sind. Erst diese Vernetzung ermöglicht es, sehr große KI-Modelle zu trainieren und eine entsprechend hohe Rechenleistung zuverlässig bereitzustellen“, sagt Christopher Blochwitz, Gruppenleiter Wissenschaftliches Rechnen des ITSC der Universität zu Lübeck.
Stärkung des Innovationspotenzials in Schleswig-Holstein und Deutschland
Helge Illig, Leiter ITSC der Universität zu Lübeck ergänzt: „Für den Aufbau des neuen KI-Rechenzentrums bedarf es stabiler Energie- und Kühlkapazitäten. So wird den hohen Anforderungen moderner KI-Infrastruktur und insbesondere dem Schutz sensibler Daten Rechnung getragen.“ Prof. Dr. Mladen Berekovic, Leiter Wissenschaftliches Rechnen des ITSC der Universität zu Lübeck, hebt die Leistungsfähigkeit und die Sicherheitsarchitektur des KI-Rechenzentrums hervor: „Ein eigenes Schutz- und Servicekonzept ermöglicht es, hochschutzbedürftige Daten sicher zu verarbeiten.“
Die Rechenkapazitäten stehen auch anderen wissenschaftlichen Forschungsgruppen zur Verfügung und sollen darüber hinaus für Ausbildungsformate und Hackathons genutzt werden. Über die AnoMed-Wettbewerbsplattform sind internationale Wettbewerbe sowie die Nutzung in internationalen Konferenzen vorgesehen, um den Technologietransfer zu beschleunigen. Damit stärkt das Projekt die digitale Infrastruktur und das Innovationspotenzial in Schleswig-Holstein und Deutschland.
Das Land Schleswig-Holstein beteiligt sich an dem Projekt durch Unterstützung und Finanzierung des Betriebs der Infrastruktur und ermöglicht so eine Teilhabe der Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen des Landes.
Vorreiterposition als digitale Zukunftsregion
„Der breite Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz ist zentraler Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit in Schleswig-Holstein. Dafür braucht es leistungsfähige und sichere KI-Infrastrukturen als eine grundlegende Voraussetzung. Mit dem AnoMed KI-Rechen- und Servicezentrum an der Universität zu Lübeck schaffen wir verlässliche Strukturen, von denen die gesamte Hochschul- und Forschungslandschaft des Landes gleichermaßen profitieren kann. Mit dem Aufbau des Zentrums gehen wir den nächsten Schritt, um unsere Vorreiterposition als digitale Zukunftsregion zu festigen“, betont Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister und Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein.
Die Erschließung des Geländes übernimmt die Universität zu Lübeck und trägt die vorbereitenden Bautätigkeiten mit dem Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH). Die Laufzeit des Projekts ist vom 1. März 2026 bis 31. Dezember 2027.

Prof. Dr. rer. nat. Esfandiar Mohammadi, Wissenschaftlicher Leiter des Kompetenzclusters AnoMed, Leiter der Arbeitsgruppe Privacy & Security am Institut für IT-Sicherheit der Universität zu Lübeck (Foto: privat)

Christopher Blochwitz, Gruppenleiter Wissenschaftliches Rechnen am IT-Service-Center der Universität zu Lübeck (Foto: privat)

Vor-Ort-Besichtigung am 5. März in einem der Rechenzentren der Universität: Prof. Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck, Jan-Ole Malchow, Projektträger VDI/VDE-IT, Prof. Dr. Mladen Berekovic, Leiter Wissenschaftliches Rechnen des ITSC, Prof. Dr. Esfandiar Mohammadi, Helge Illig, Leiter des ITSC, und Christopher Blochwitz (v.l.n.r.; Foto: Daniel Hoth / Universität zu Lübeck)

Startschuss für das AnoMed-Kompetenzzentrum im CBBM der Universität am 5. März 2026 (Foto: Susanne Reinke / Universität zu Lübeck)

Prof. Dr. Esfandiar Mohammadi (auf dem Podium in der Mitte) bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Datenschutz vs. Datennutzung" im Rahmen des Kongresses AnoSiDat 2025 des bundesweiten Forschungsnetzwerks Anonymisierung im vergangenen Oktober in Berlin (Foto: VDI/VDE-IT)
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