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Sonntag, 14.10.2018

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Studium generale: Thema "Pflege"

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Who cares? Das Programm des Wintersemesters diskutiert drängende Fragen zur Sorge für unsere Mitmenschen und die gegenwärtige Dominanz eines ökonomischen Denkens

Der „Pflegenotstand“ ist eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Die Politik reagiert mit Modellen zur Aufwertung der Pflege- und Fürsorgearbeit. An den Unis werden Pflegewissenschaften aufgebaut und in Schleswig-Holstein wurde als eines der ersten Bundesländer 2018 eine Pflegeberufekammer eingerichtet. Doch die Zustände verschärfen sich: Schlecht bezahlte Arbeit, Überforderung und fehlende Anerkennung beschreiben ein Problem, das weder politisch noch gesellschaftlich gelöst zu sein scheint. Dabei ist die Sorge- und Fürsorgearbeit mehr als die Sorge um den Mitmenschen.

Pflege ist eine gesellschaftlich hochrelevante Tätigkeit, die, auch wenn sie im Privaten stattfindet, im öffentlichen Raum diskutiert werden muss. Zudem lässt die verschärfte Rationalisierung des Arbeitsmarktes soziale Tätigkeiten und besonders die Fürsorge im Generationenvertrag immer mehr zum Problem werden. Produktionsarbeit als Motor der Wirtschaft scheint die soziale Welt zu strangulieren, denn Fürsorge kostet nicht einfach mehr Zeit, sondern sie lebt gewissermaßen von Zeitverschwendung. Es reicht deshalb nicht aus, nur neue sozialpolitische Maßnahmen zu diskutieren. Mit der mangelnden Marktfähigkeit von Fürsorge steht vielmehr die Grundordnung unserer Gesellschaft auf dem Spiel.

Brennende Fragen liegen auf der Hand: Brauchen wir eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Systemänderung, um die Sorge für unsere Mitmenschen – seien sie groß oder klein, alt oder jung – angemessen zu leisten? Liegt im Konzept der Sorgearbeit – „care“ – gar eine politische Sprengkraft, weil es unvereinbar ist mit der gegenwärtigen Dominanz eines ökonomischen Denkens im Sozialsystem?

Die Reihe begann mit einer Podiumsdiskussion am 25. Oktober. Die weiteren Veranstaltungen:

1. November 2018 (Audimax AM4)    
Dr. Christa Wichterich (Bonn): Rekonfiguration von sozialer Reproduktion, Care Extraktivismus und
Sorgekämpfe.
Eine zeit- und raumdiagnostische intersektionale Perspektive

15. November 2018 (Audimax AM4)
Prof. Dr. Frans Vosmann (Utrecht): Care als politische Grundkategorie. Eine care-ethische Sicht auf die Möglichkeit, zusammen zu leben

31. Januar 2019 (Audimax AM1)
Prof. Dr. Cornelia Klinger (Tübingen): Lebenslang und immer im Kreis. Das andere Zeitregime des Sorgens und Pflegens

Vorträge jeweils donnerstags um 19.15 Uhr im Audimax auf dem Campus der Universität zu Lübeck.

Das Studium generale im Wintersemester 2018/19

Gäste der Auftaktveranstaltung: Patricia Drube

Dr. Nadja Rakowitz

Dr. Stefanie Mentrup