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Montag, 05.02.2024

Veranstaltungen

Ringvorlesung „Magic Mountain – Visiten der Gegenwart“

Thomas Mann (ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Unbekannt / TMA_0076)

100 Jahre Thomas Manns "Der Zauberberg"

100 Jahre nach seinem Erscheinen steht Thomas Manns Der Zauberberg im Zentrum einer öffentlichen Ringvorlesung in Lübeck. Im Jubiläumsjahr 2024 widmet sich die Geburtsstadt des Autors mit aktuellen Blicken der thematischen Vielfalt des Romans: In „Visiten der Gegenwart“ wird den zentralen Fragen nach dem Verhältnis von Leben, Krankheit und Tod nachgegangen und die verschiedenen literaturwissenschaftlichen, zeitgeschichtlichen, medizinhistorischen und musikalischen Aspekte des Romans thematisiert.

Musikalisch hörbar

Hierzu sind hochkarätige Referierende nach Lübeck eingeladen: Unter anderem spricht der renommierte Thomas-Mann-Forscher und ehemalige Direktor der Lübecker Museen Hans Wißkirchen über Quellen und zeitgenössische Kontexte des Romans, die Musikwissenschaftlerin Christiane Tewinkel über die Musik im Roman und die Medizinerin und Literaturwissenschaftlerin Yvonne Wübben beleuchtet die Gespräche zwischen Arzt und Patient. Die Abende der Ringvorlesung werden mit musikalischen Werken gerahmt, die im Zauberberg eine zentrale Rolle spielen. Die Musikhochschule macht so den Roman sinnlich erfahrbar und musikalisch hörbar.

Die Ringvorlesung „Magic Mountain – Visiten der Gegenwart“ findet ab dem 21. Februar im vierwöchentlichen Rhythmus im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) in der Königstraße 42 statt. Die Abende beginnen jeweils um 18:30 Uhr. Im Anschluss laden wir Sie ein, bei Wein und Wasser miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltungsreihe „Magic Mountain“ wird von der Musikhochschule Lübeck (MHL) und der Universität zu Lübeck (UzL) im Rahmen von Lübeck hoch 3 als Kooperationsprojekt mit dem Buddenbrookhaus/Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum realisiert.

Die Vorträge werden aufgezeichnet und im Nachgang online zur Verfügung gestellt.

Die Termine:

21. Februar 2024

Prof. Dr. Hans Wißkirchen (Lübeck)

Von der Taufschale zum Donnerschlag. Entstehung, Quellen und zeitgenössische Kontexte des Zauberbergs

Zwischen 1912 und 1924 arbeitete Thomas Mann am Zauberberg. In dieser Zeit weitreichender gesellschaftlicher Umbrüche musste auch er sich intellektuell neu orientieren. Welche Rolle dabei der Zauberberg spielt, wie die Romanentstehung diesen schwierigen Prozess spiegelt und wie schließlich das abgeschlossene Werk in der Zeit der Weimarer Republik seinen intellektuellen Ort findet, soll im Vortrag erläutert werden. Dabei wird auch ein Blick auf die Quellen geworfen, die Thomas Mann genutzt hat und die diesen Veränderungsprozess wesentlich mitsteuern.

Hans Wißkirchen hat über Werke von Thomas Mann promoviert, war entscheidend am Aufbau des Buddenbrookhauses zu einer Gedenk- und Forschungsstätte beteiligt und als Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck bis Ende 2022 für die Museen der Stadt verantwortlich. Er ist Präsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft und Honorarprofessor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität zu Lübeck. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Familie Mann geschrieben, war lange Jahre Mitherausgeber des Heinrich-Mann-Jahrbuchs und ist Mitherausgeber des Thomas-Mann-Jahrbuchs.

20. März 2024

Prof. Dr. Christiane Tewinkel (Lübeck)

Klingende Zeit. Thomas Manns Zauberberg und die Musik

Komponierte Musik spielt eine wichtige Rolle im Zauberberg, doch reicht die Bedeutung, die musikalisches, klangliches, ja selbst geräuschhaftes Geschehen in diesem besonderen Roman übernimmt, viel tiefer: Untrennbar ist es mit jenem Erzählen in der Zeit und über die Zeit verbunden, das den Zauberberg so berühmt gemacht hat. Der Vortrag rückt die Rolle realer Kompositionen beispielsweise von Claude Debussy oder Franz Schubert ebenso in den Blick wie die starke, oft rätselhafte Klanglandschaft, die diejenigen „hier oben“ im Sanatorium umgibt.

Christiane Tewinkel ist seit 2021 Professorin für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Lübeck. Sie hat an der Freiburger Musikhochschule und Universität sowie an der Harvard University studiert, wurde an der Universität Würzburg mit einer Arbeit zu Robert Schumanns Liederkreis op. 39 nach Joseph von Eichendorff promoviert und habilitierte sich an der Universität der Künste Berlin mit einer Schrift zur musikalischen Wissensgeschichte seit 1945.

17. April 2024

Prof. Dr. Dr. Yvonne Wübben (Bochum)

Doppelte Blendungen: Das Arzt-Patientengespräch im Zauberberg

Viele Autoren der Klassischen Moderne wussten um die Besonderheiten des Arzt-Patientengesprächs. Sie erzählen von Wahn und Wirklichkeit, von Missverständnissen und dem Mythos in Weiß. Auch Thomas Mann stellt im Zauberberg zahlreiche Arzt-Patientengespräche dar und zeigt, wie dort zwei Welten aufeinandertreffen. Zum einen versuchen Ärzte, die meist infausten Diagnosen vor ihren Patienten geheim zu halten. Zum anderen spielen die Patienten das Spiel mit, das sie oft längst durchschaut haben. Diese doppelten Blendungen sorgen für eine dem Roman eigene Komik, die sich, wie der Vortrag im Detail zeigen möchte, in den vielen facettenreichen Gesprächssituationen entfaltet.

Yvonne Wübben ist zweifach promovierte Literaturwissenschaftlerin und Medizinerin. 2011 habilitierte sie sich an der FU Berlin mit der Schrift „Poesie der Schizophrenie. Nosographie und literarische Form“. Seit 2017 lehrt sie als Professorin für Literatur und anthropologisches Wissen an der Ruhr-Universität Bochum und forscht derzeit als Gastprofessorin für „Narration in der Psychiatrie“ an der Berliner Charité. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts, Literatur und Wissen, Gelehrte Praktiken und epistemische Genres sowie die Geschichte der Psychiatrie.

15. Mai 2024

Prof. Dr. med. Tom Schaberg (Rotenburg)

Eine kurze Geschichte der Tuberkulose

„Also die Luft hier bei uns, die ist gut gegen die Krankheit.“ So der Standpunkt der Ärzte im Zauberberg. Die Luftkur, die hier als Heilmittel verschrieben wird, ist nur eine der zahlreichen Versuche im Laufe der Zeit, die Tuberkulose zu behandeln. Beachtlich weit zurück weist die Geschichte dieser Krankheit. Man ist versucht anzunehmen, dass die Tuberkulose den Menschen, wenn auch nicht schon immer, so doch seit der Zeit begleitet, als dieser sich Haustiere zu eigen machte. Und bis in unsere Tage hat diese Erkrankung ihre Bedeutung und leider auch ihren Schrecken nicht verloren.

Tom Schaberg ist Pneumologe und Infektiologe (Promotion 1983, Habilitation 1994). Er war von 1997–2019 Chefarzt am Zentrum für Pneumologie des Rotenburger Diakonieklinikums und zudem außerplanmäßiger Professor an der FU Berlin sowie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Weiterhin hat er lange Jahre die Zeitschrift Pneumologie herausgegeben und ist seit 2008 Präsidiumsmitglied im Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose.

26. Juni 2024

Dr. Regina Ströbl und Dr. Andreas Ströbl (Lübeck)

„…ein Sarg ist ein geradezu schönes Möbel“ – Zur Inszenierung von Verstorbenen

In ihrem Vortrag führen Regina und Andreas Ströbl in die mitunter prunkvolle Welt der Aufbahrungen und Inszenierungen von Leichnamen vom Hochadel bis zum Bürgertum ein. Dabei machen sie deutlich, wie wichtig ein bewusstes Abschiednehmen von den Verstorbenen in historischer Zeit war und nach wie vor ist. Das Werk von Thomas Mann bietet für den Themenkomplex Tod–Abschied–Trauer einen reichen Fundus, der in dem Vortrag ebenfalls vorgestellt wird.

Regina und Andreas Ströbl sind Archäologen und Kunsthistoriker. Als „Forschungsstelle Gruft“ mit Sitz in Lübeck dokumentieren, bearbeiten und retten sie im ganzen Bundesgebiet Grüfte und Mausoleen der Frühen Neuzeit.

17. Juli 2024

Dipl.-Psych. Eberhard Bauer (Freiburg i. Br.)

„Der Blitz soll mich treffen, wenn ich lüge“ – Thomas Mann und „seine Okkulten Erlebnisse“: Ein Kapitel Parapsychologie-Geschichte

Thomas Mann nahm im Winter 1922/23 an drei ,okkultistischen Séancen‘ mit dem Medium Willi Schneider (1903–1971) im eigens dafür eingerichteten Laboratorium des Münchner praktischen Arztes und Hypnotherapeuten Albert Freiherr von Schrenck-Notzing (1862–1929) teil, des Hauptvertreters des damals sogenannten ,Wissenschaftlichen Okkultismus‘, wo er faszinierter Zeuge mehrerer ,okkulter‘ Phänomene wie Materialisationen und Objektlevitationen (,Telekinese‘) wurde. Seine Eindrücke schilderte er in seinem Vortrag „Okkulte Erlebnisse“ (1924), der bei seinen damaligen Zuhörern großen Anklang fand und im Abschnitt „Fragwürdigstes“ von Kapitel 7 des Zauberberg literarisch verarbeitet wurde. Die Vorlesung bietet einen historisch informierten Einblick in das Kabinett des „Geisterbarons“ (Manfred Dierks) Schrenck-Notzing samt der dort üblicherweise gezeigten Phänomene und ihrer Rituale im ,okkulten‘ Zwielicht, die bei Thomas Mann einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ihn zu einer literarischen Reflexion über die Möglichkeiten einer „empirisch-experimentellen Metaphysik“ herausgefordert haben.

Eberhard Bauer ist Psychologe und arbeitet seit vielen Jahren als Forscher und Berater an dem 1950 von Prof. Hans Bender (1907–1991) gegründeten Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. (IGPP) in Freiburg im Breisgau, zu dessen Vorstand er gehört. Zu seinen Forschungsgebieten gehört auch die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte ,okkulter‘ (paranormaler) Phänomene und Erfahrungen seit dem 19. Jahrhundert.

14. August 2024

Claudio Steiger (Heidelberg)

Der Zauberberg. Ein Roman der Weimarer Republik – 100 Jahre danach

Hans Castorps Davoser Geschichte endet mit dem Kriegsausbruch von 1914. Auf dem Schlachtfeld „kommt er uns aus den Augen“. Doch der Autor Thomas Mann ist 1919, als er die Arbeit am Zauberberg wieder aufnimmt, schon über den Krieg hinaus. Als der Text 1924 erscheint, ist in ihn auch die Gegenwart der Weimarer Republik eingeflossen. Der Vortrag beleuchtet, inwiefern die „Vorkriegsgeschichte“ auch eine Nachkriegsgeschichte ist – eine Standortbestimmung in der umkämpften ersten deutschen Demokratie.

Claudio Steiger hat im kuratorischen Team des Buddenbrookhauses gearbeitet und ist aktuell Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg.