Folge 59: Ziehen wir die Grenzen wieder hoch?
Nationalismus gewinnt weltweit an Einfluss, internationale Bündnisse geraten unter Druck, und politische Schlagworte wie »America First« oder der Brexit stellen die Idee offener Grenzen infrage. Ziehen wir uns wieder stärker auf nationale Interessen zurück? Und was bedeutet diese Entwicklung für Wissenschaft, Kultur und Hochschulen? Ist Internationalisierung ein kostspieliger Luxus – oder vielmehr eine unverzichtbare Grundlage für Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung? In dieser Folge sprechen wir mit den drei Präsident*innen der drei Lübecker Hochschulen darüber, welche Folgen Abschottung hätte und warum globale Zusammenarbeit unverzichtbar ist.
Prof. Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck, betont die zentrale Rolle internationaler Vernetzung für Wissenschaft und Forschung. Gerade in den Lebenswissenschaften seien Durchbrüche ohne globale Kooperationen kaum denkbar – viele der großen Fortschritte, etwa in der Krebsforschung, entstehen in internationalen Teams. Internationale Studiengänge und Kooperationen stärken nicht nur die Qualität der Wissenschaft, sondern tragen auch wesentlich zur Fachkräftesicherung bei. Handlunsgbedarf sieht er bei bürokratischen Hürden und insbesondere beim knappen Wohnraum für Studierende.
Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der Technischen Hochschule Lübeck und Vizepräsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), unterstreicht den konkreten Mehrwert internationaler Studierender für Deutschland. Mit aktuell rund 420.000 internationalen Studierenden erreicht das Land ein Rekordniveau – und profitiert wirtschaftlich wie gesellschaftlich davon. Deutschland gilt international als attraktiver Studienstandort, nicht zuletzt wegen vergleichsweise niedriger Kosten und großer wissenschaftlicher Freiheit. Gleichzeitig erfordert Internationalisierung intensive Betreuung und Unterstützung, insbesondere für Studierende, die sich in einem neuen System orientieren müssen.
Prof. Bernd Redmann, Präsident der Musikhochschule Lübeck und Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz Schleswig-Holstein, warnt vor den kulturellen Konsequenzen eines Rückzugs ins Nationale. Für ihn ist Internationalität die Lebensader des Kulturlebens: Würden Grenzen geschlossen, drohe eine »Provinzialisierung« der Kulturlandschaft. An der MHL zeigt sich die Bedeutung dieser Vielfalt ganz konkret: Rund 45 % der Studierenden kommen aus über 50 Ländern. Er weist aber auch auf Herausforderungen hin, etwa unterschiedliche kulturelle Prägungen im Umgang mit Autoritäten, die sensibel begleitet werden müssen.
In dieser Folge unter der Moderation von Theresia Lichtlein, Kommunikationsleiterin der Technischen Hochschule Lübeck (TH), beleuchtet der Podcast von Lübeck hoch 3 einmal monatlich Themen der Forschung, Kultur und Gesellschaft. Geladen sind jeweils Vertreter*innen der drei am Projekt beteiligten Hochschulen (Musikhochschule Lübeck, Technische Hochschule Lübeck und Universität zu Lübeck) und je nach Thema ein*e Expert*in als Gast.
Der Podcast steht über die Website www.gedankenspruenge-podcast.de und alle gängigen Plattformen zum Abruf bereit. Die Folgen gehen jeweils mittwochs zur Monatsmitte online.
Wissenstransfer, wechselseitiger Dialog und neue Ideen – dafür steht Lübeck hoch 3. Den eigenen Podcast sehen die Initiatorinnen und Vertreter der drei Hochschulen als wichtigen Baustein, um den Diskurs mit der Gesellschaft über Wissenschaft und Kultur anzuregen.
für die Ukraine