Folge 58: Zeitgeist – Wie wollen wir alt werden?
Wir werden jeden Tag ein bisschen älter – und doch beginnt das Nachdenken über das Alter für viele erst, wenn Pflegebedürftigkeit oder Abschied im Raum stehen. Aber wie wollen wir eigentlich alt werden? Aktiv und selbstbestimmt? In vertrauter Umgebung oder noch einmal ganz neu? Und was braucht es persönlich – und gesellschaftlich –, damit das gelingt? In dieser Folge sprechen wir mit drei Expert*innen der drei Lübecker Hochschulen darüber, welche Bilder vom Altern uns prägen und wie wir die Jahre jenseits der Erwerbsarbeit gestalten können.
Prof. Dr. Katrin Balzer (Universität zu Lübeck), Professorin für Forschung und Lehre in der Pflege sowie Leiterin der Pflegestudiengänge an der an der Universität zu Lübeck, richtet den Blick auf Selbstbestimmung und Zufriedenheit im Alter. Entscheidend ist, diese Jahre ohne Bitterkeit und mit realistischen, positiven Vorstellungen zu gestalten. So kann auch dann noch Sinn erlebt werden, wenn die eigene Autarkie abnimmt. Mit Projekten wie »together at home«, bei dem ältere Menschen Wohnraum mit Jüngeren teilen, zeigt sie auf, wie neue Wohnformen soziale Teilhabe ermöglichen können. Zugleich kritisiert sie unübersichtliche Beratungs- und Förderstrukturen in Deutschland.
Prof. Dr. Marcus Menzl (TH Lübeck), Professor für die Soziologie der gebauten Umwelt Studiengangsleiter Stadtplanung an der Technischen Hochschule Lübeck, betont: Wir werden nicht erst mit 75 alt. Übergänge wie der Auszug der Kinder oder das Ende der Erwerbsarbeit markieren neue Lebensphasen – doch passende Wohnkonzepte für die Zeit zwischen »Empty Nest« und Pflegebedürftigkeit fehlen oft. In seinem Forschungsprojekt zum Generationenwechsel im Einfamilienhaus untersucht er, wann Menschen bereit sind, ihr Zuhause zu verlassen – und warum dieser Schritt so schwerfällt.
Volker Schmitz (Musikhochschule Lübeck) engagiert sich ehrenamtlich am Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck und war bis zu seinem Ruhestand Musiker im NDR-Sinfonieorchester. Die Entscheidung, diese Position aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben, empfand er zunächst als Glücks- und Befreiungsmoment. Doch nach einem halben Jahr genossener Freiheit wurde ihm klar, wie wichtig es ihm ist, weiterhin Teil eines kulturellen Umfelds zu sein, und er übernahm ein Ehrenamt. Gedanken an eine mögliche Pflegebedürftigkeit schiebt er noch beiseite. Stattdessen entdeckt er musikalisch immer wieder Neues und hält sich mit Sport fit.
In dieser Folge unter der Moderation von Johanna Helbing, Kommunikationsreferentin der Technischen Hochschule Lübeck, beleuchtet der Podcast von Lübeck hoch 3 einmal monatlich Themen der Forschung, Kultur und Gesellschaft. Geladen sind jeweils Vertreter*innen der drei am Projekt beteiligten Hochschulen (Musikhochschule Lübeck, Technische Hochschule Lübeck und Universität zu Lübeck) und je nach Thema ein*e Expert*in als Gast.
Der Podcast steht über die Website www.gedankenspruenge-podcast.de und alle gängigen Plattformen zum Abruf bereit. Die Folgen gehen jeweils mittwochs zur Monatsmitte online.
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