Website
Aktuelles
Mittwoch, 01.07.2020

Lehre

Paradigmenwechsel in der Glaukomdiagnostik

Dr. Claudia Lommatzsch

Vom Kokain zur Kohärenz - Antrittsvorlesung von Dr. Claudia Lommatzsch am 14. Juli um 19 Uhr s.t.

Die Antrittsvorlesung findet online statt. Zugang: uni-luebeck.webex.com/uni-luebeck/j.php

Das Glaukom (Grüner Star) ist eine chronische neurodegenerative Erkrankung des Sehnervs und der inneren Netzhautschichten. Es ist bis heute weltweit die zweithäufigste Ursache für eine irreversible Erblindung. Allein in Deutschland kommt es jedes Jahr zu über 1000 Neuerblindungen.  Für das Jahr 2020 wurde die Zahl der Menschen mit Glaukom weltweit auf 76 Millionen geschätzt und die Anzahl soll bis 2040 auf 112 Millionen ansteigen. Die zunehmende Häufigkeit ist unter anderem damit zu begründen, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit dem Alter (>65jährige 2-4%) zunimmt und unsere Bevölkerung einen demographischen Wandel erfährt. Die Dunkelziffer der nichterkannten Glaukome wird in den Industrienationen auf 50 % geschätzt.

Hierin zeigt sich die Wichtigkeit, dass es diagnostische Möglichkeiten gibt, die die Erkrankung zum einen sehr zuverlässig detektieren können, vor allem in einem frühen Krankheitsstadium, aber zum anderen auch noch eine Verlaufskontrolle bei bereits sehr weit vorangeschrittenen Optikopathien erlaubt. Neben der Messung des Augeninnendrucks oder der klinischen Beurteilung des Sehnervenkopfes spielen für die Diagnostik des Glaukoms weitere Parameter, wie zum Beispiel die Gesichtsfeldmessung und die Vermessung der Nervenfaserschichtdicke mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) eine entscheidende Rolle.

Ein neueres bildgebendes Verfahren ist die Optische Kohärenztomographie-Angiographie (OCT-A), die die retinale peripapilläre und makuläre Blutkapillardichte (Vessel Density) messen kann, in dem sie die zeitliche Veränderung im Reflektionsverhalten von sich bewegenden Teilchen wie Erythrozyten in den Blutgefäßen darstellt. Die OCT-A zeigt bereits eine verminderte Darstellbarkeit der Kapillardichte bei präperimetrischen Glaukomen und scheint Schwächen der OCT zu kompensieren. Somit haben wir gegenwärtig eine Vielzahl von diagnostischen Möglichkeiten bei der Früherkennung und zur Verlaufskontrolle des Glaukoms an der Hand. Wie setzen wir diese Bildgebungsmodalitäten sinnvoll ein und wie sind die Befunde zu interrpetieren?

Im Rahmen der Antrittsvorlesung wird ein kurzer historischer Überblick über die Entwicklung der unterschiedlichen Möglichkeiten zur Glaukomdiagnostik gegeben und es werden die aktuellen verschiedenen bildgebenden Modalitäten genauer erklärt und ein Bezug zu den derzeitigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen genommen.

Dr. med. Claudia Lommatzsch schließt mit der Antrittsvorlesung ihre Habilitation an der Universität zu Lübeck im Fachgebiet „Ophthalmologie“ ab.

Salus aegroti suprema lex - Das Wohl des Kranken sei oberstes Gebot (Foto: Universität zu Lübeck)