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Montag, 15.12.2025

Forschung

Neuartiger Scanner für das Magnetic Particle Imaging bewilligt

Wegbereiter für personalisierte Diagnostik und Krebstherapie

Mit ca. 4,3 Millionen Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Erforschung eines neuartigen Scanners für das Magnetic Particle Imaging (MPI) in Kombination mit Computertomographie und Hyperthermie. Das Konzept wurde von der Universität, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und der Lübecker Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte Medizintechnik (IMTE) entwickelt. Es wurde von zahlreichen Forschungsgruppen aus ganz Deutschland unterstützt.

In der internationalen Begutachtung erhielt das Vorhaben Bestnoten und wurde als besonders geeignet angesehen, die nächste Generation der MPI-Technologie in Richtung klinischer Anwendung zu beschleunigen. Für die Lübecker Forschung ist dies ein starker Auftakt in das Wissenschaftsjahr 2026 „Medizin der Zukunft“.

Die Universitätsleitung sieht in der Förderung einen wichtigen strategischen Impuls. Präsident Prof. Dr. Helge Braun betont: „Die Entscheidung der DFG bestätigt auf eindrucksvolle Weise die führende Rolle Lübecks in der Magnetic-Particle-Imaging-Forschung. Mit dem neuen System stärken wir unser Profil an der Schnittstelle von Technik und Medizin und schaffen heute Voraussetzungen, um innovative Therapien zu entwickeln, die langfristig Patientinnen und Patienten zugutekommen. Ich gratuliere Prof. Buzug und dem gesamten Konsortium zu diesem großartigen Erfolg und danke allen Beteiligten für ihr herausragendes Engagement.“

Personalisierte Onkologie mit enger Verzahnung von Diagnose und Behandlung

Magnetic Particle Imaging ist eine junge, hochsensitive Echtzeit-Bildgebung, die magnetische Nanopartikel im Körper sichtbar macht und zunehmend den Weg für neue diagnostische und therapeutische Konzepte bereitet. Der in Lübeck bewilligte präklinische Scanner geht dabei weit über bisherige Systeme hinaus: Er kombiniert MPI mit CT für präzise anatomische Information und integriert zugleich Hyperthermie, also die gezielte Erwärmung von Nanopartikeln im Gewebe.

Diese multimodale Verbindung ermöglicht eine frühe und exakte Darstellung von Gefäßen, Entzündungen und Tumoren. Zugleich eröffnet sie auch neue therapeutische Optionen, etwa das kontrollierte Schädigen von Tumorzellen oder die lokale Freisetzung von Wirkstoffen. MPI überwacht dabei kontinuierlich die Verteilung der Partikel und perspektivisch auch deren Temperatur. In diesem Zusammenspiel entstehen Ansätze für eine personalisierte Onkologie, in der Diagnose und Behandlung eng verzahnt sind und durch KI-gestützte Analysen weiter präzisiert werden. So kann eine höhere Wirksamkeit erzielt und Nebenwirkungen minimiert werden.

Der von Prof. Dr. Thorsten Buzug koordinierte Antrag überzeugte die DFG im wissenschaftlichen Inhalt und in der ausgeführten Darstellung. Buzug, Direktor des Instituts für Medizintechnik der Universität und geschäftsführender Direktor des Fraunhofer IMTE, hat das Feld des MPI mitbegründet und seit den Anfängen maßgeblich geprägt. In der Begutachtung wurde hervorgehoben, dass Lübeck über eine einzigartige Kombination aus technischer MPI-Expertise, langjähriger Erfahrung in der Geräteentwicklung und einer breit vernetzten klinischen Umgebung verfügt.

Weltweit führende Rolle Lübecks im Bereich der MPI-Technologie bescheinigt

Viele der grundlegenden Beiträge zur MPI-Technologie stammen aus Lübeck. Die internationale Prüfungsgruppe bescheinigte dem Standort eine weltweit führende Rolle auf diesem Gebiet. Besonders positiv bewertet wurde zudem die Einbindung zahlreicher junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen in das Konsortium sowie die engen Kooperationen mit weiteren Einrichtungen – unter anderem in Hamburg, Erlangen, Rostock, Greifswald, Bayreuth und Karlsruhe.

„Die Bewilligung dieses neuartigen MPI-Systems ist ein Meilenstein für den Forschungsstandort Lübeck“, unterstreicht Prof. Buzug. „Erstmals kann in Lübeck Diagnostik, anatomische Bildgebung und hyperthermische Therapie in einem integrierten System zusammengeführt werden. Das eröffnet uns die Möglichkeit, Behandlungsstrategien zu entwickeln, bei denen wir Therapieeffekte in Echtzeit beobachten und gezielt steuern können. Unser Ziel ist es, durch diese Technologie den Weg zu schonenderen, individuell zugeschnittenen Therapien zu ebnen. Dieses Projekt ist das Ergebnis einer beeindruckenden Teamleistung vieler Kliniken, Institute und Partner in Lübeck und darüber hinaus.“

Mit der Bewilligung des Großgeräts stellt Lübeck die Weichen für die nächste Entwicklungsstufe der MPI-Technologie: von der präklinischen Forschung hin zur klinischen Anwendung, mit dem Ziel, Diagnostik und Therapie zu verbinden und die personalisierte Medizin konkret erfahrbar zu machen. Neben Prof. Buzug als dem wissenschaftlich verantwortlichen Sprecher sind Priv.-Doz. Dr. Franz Wegner vom Institut für Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums als Medizinischer Co-Sprecher und Dr.-Ing. Mandy Ahlborg vom Fraunhofer IMTE als Ingenieurwissenschaftliche Co-Sprecherin an der Leitung des Vorhabens beteiligt.

Prof. Dr. Thorsten Buzug, Priv.-Doz. Dr. Franz Wegner und Dr.-Ing. Mandy Ahlborg (v.l.n.r.) mit einer in Kooperation zwischen Fraunhofer IMTE und der Universität zu Lübeck entwickelten Hyperthermiespule (Foto: Sandy Bever, Fraunhofer IMTE)

Visualisierung eines zukünftigen klinischen Setups für multimodales Magnetic Particle Imaging (MPI). Das Bild zeigt symbolisch die Integration von MPI und CT sowie die Überwachung von Hyperthermie-Behandlungen (generiert mit Google Gemini, 2025)