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Samstag, 27.12.2025

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Moderne Bildung in bewegten Zeiten

Gemeinsames Modellprojekt „Schule*Hilfe*Medien“ stärkt Medienkompetenz und Notfallwissen von Jugendlichen - Gelebte gesellschaftliche Verantwortung

Das gemeinsame Schulprojekt des Lübecker Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasiums und dessen Fördervereins mit der Universität geht in seine zweite Phase. Nach der erfolgreich abgeschlossenen qualitativen Erhebung sollen jetzt mediengestützte Lernformate entwickelt, pilotiert und iterativ optimiert werden.

In dem Kooperationsprojekt „Schule*Hilfe*Medien“ entwickeln Schülerinnen und Schüler zeitgemäße Unterrichtsmaterialien für die Lernbereiche Medienbildung, Erste Hilfe, zivile Resilienz und gesellschaftliche Verantwortung. Ermöglicht wird das Vorhaben durch die Lübecker Michael-Haukohl-Stiftung, die Wessel-Stiftungen sowie die Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung. Verantwortlicher seitens der Universität ist Priv.-Doz. Dr. Klaas F. Franzen, Oberarzt und Lehrkoordinator an der Medizinischen Klinik III.

„Die Universität zu Lübeck steht für innovative und zukunftsorientierte Forschung und Lehre – und zugleich für gelebte gesellschaftliche Verantwortung“, sagte Präsident Prof. Dr. Helge Braun zum Projektstart im Sommer letzten Jahres. „Projekte wie Schule*Hilfe*Medien zeigen eindrucksvoll, wie Wissenschaft und Bildungseinrichtungen gemeinsam im Dialog mit der Bevölkerung wirken können. Der Brückenschlag von universitärer Expertise hin zu schulischer Praxis und bürgerschaftlichem Engagement ist ein starkes Zeichen für die gelebte Bildungskultur in Lübeck und ganz Schleswig-Holstein.“

Reflektierten Mediennutzung und konkrete Handlungskompetenzen im Ernstfall

„Schule*Hilfe*Medien“ zeigt, wie moderne Bildung in bewegten Zeiten aussehen kann. Das Projekt verfolgt im laufenden und den kommenden Schulhalbjahren einen „Peer-to-Peer“-Ansatz, bei dem Schülerinnen und Schüler unter Supervision und Begleitung der Universität selbst Lehr- bzw. Unterrichtsmaterialien entwickeln. Dazu gehören etwa 360°-Videos zum richtigen Absetzen eines Notrufs oder zur Hilfe in Notfallsituationen, kurze Reanimations-Tutorials oder interaktive AR-/VR-Anwendungen („Erweiterte Realität“, Augmented und Virtual Reality), die sie an andere Jugendliche vermitteln.

Dr. Anna-Christina Sondersorg, Projektverantwortliche des Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasiums, betont: „Das Projekt zeigt, wie Schule heute sein kann: lebensnah, kollaborativ und zukunftsorientiert. Wir verbinden digitales Lernen mit gelebter gesellschaftlicher Verantwortung.“ Moderne Medien werden gezielt genutzt, um die Themen altersgerecht und lebensnah aufzubereiten. Ziel ist es, die Fähigkeit zur reflektierten Mediennutzung ebenso zu stärken wie konkrete Handlungskompetenzen im Ernstfall.

Zum Jahresende 2025 und dem erfolgreichen Abschluss der ersten Projektphase bilanzierte Dr. Franzen deren zentrale Ergebnisse. Die zwischen April und August geführten semistrukturierten Interviews mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften des Gymnasiums ergaben aufschlussreiche Erkenntnisse zu den Bereichen Empirische Identifikation von sechs distinkten Lernertypologien, Vergessen als zentrale Barriere, Bevölkerungsschutz als Bildungslücke und Emotionale Belastung der Lehrkräfte.

Ausweitung auf weitere Schulen vorgesehen

Die gewonnenen Daten bilden eine erste robuste empirische Grundlage für die nun anstehende Entwicklung differenzierter, adressatengerechter Lernformate. Sie werden aktuell wissenschaftlich aufbereitet und sollen in einschlägigen Fachzeitschriften publiziert und damit auch überregional zur Diskussion gestellt werden.

Die zweite Projektphase startet mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres. Sie umfasst die partizipative Entwicklung der Videosequenzen, der Virtual-Reality-Trainingsmodule und der App-gestützten Lernangebote durch die schulische Erste-Hilfe-AG, die Implementierung eines Design-Based-Research-Ansatzes zur fortlaufenden Evaluation und Optimierung der Materialien sowie die Konzeption eines Peer-Coaching-Programms zur Qualifizierung von Schülerinnen und Schülern als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Die Ausweitung des Projekts auf weitere Schulen im Lübecker Raum ist vorgesehen. Ziel ist es außerdem, aus Lübeck heraus ein übertragbares Modell für Bildung in gesellschaftlichen Schlüsselthemen für Schleswig-Holstein zu schaffen.

Projektstart am Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium am 15. Juli 2025: Gerrit Koch (Vorsitzender des Fördervereins), Dr. Anna Christina Sondersorg (Fachvorsitzende Biologie), Julia Schneiders (Mittelstufenleiterin), Nurcan Korkmaz (Schulleiterin), Dieter Beckmann (Vorsitzender der Wessel-Stiftungen), Marit Haug (Doktorandin), Michael Haukohl (Vorsitzender der Michael-Haukohl-Stiftung), Schüler Justus Brockmann und Priv.-Doz. Dr. Klaas F. Franzen (v.l.n.r.; Foto: Dr. Anna Christina Sondersorg / Universität zu Lübeck)