Das Institut für Telematik untersucht im Projekt SH.IFT, wie sich KI-Agenten rechtskonform, effizient und praxisnah in medizinische Entscheidungsprozesse einbinden lassen.
Bei der Behandlung von Patient*innen müssen Ärzt*innen aus einer Vielzahl von Daten – von Beschwerden und Krankengeschichte über Untersuchungsbefunde bis hin zu Medikamenten – ein stimmiges Gesamtbild gewinnen. Dieser Prozess ist oft zeitaufwendig, besonders bei komplexen oder unklaren Fällen. Um die einzelnen Informationen strukturiert für ärztliche Entscheidungen vorzubereiten, entwickelt das Institut für Telematik der Universität zu Lübeck im Projekt SH.IFT ein KI-basiertes Assistenzsystem für die medizinische Diagnostik. SH.IFT steht dabei für „Smartes Healthcare Interaktions-Framework für Teamdiagnosen“.
Das Projekt verfolgt einen kollaborativen Ansatz zwischen Arzt und dem KI-basierten Assistenzsystem: Mithilfe mehrerer spezialisierter KI-Agenten mit eigenen Fachrollen soll SH.IFT systematisch unterstützen, einen medizinischen Fall zu bearbeiten. Dafür analysiert das System Patientendaten, fragt nach fehlenden Angaben, erarbeitet mögliche Diagnosen sowie nächste Schritte. Eine gesonderte KI-Sicherheitsrolle hinterfragt die Ergebnisse und prüft die Vorschläge auf Widersprüche oder Warnzeichen. Somit könnte das System insbesondere bei Fällen unterstützen, bei denen Befunde nicht eindeutig sind oder mehrere Erklärungen infrage kommen. Die medizinische Entscheidung bleibt dabei bei der behandelnden Person. Diese behält jederzeit die Aufsicht, bewertet die KI-Empfehlungen kritisch und entscheidet über das weitere Vorgehen.
Neben der menschlichen Aufsicht setzt SH.IFT bewusst auf Nachvollziehbarkeit und Datenschutz nach den ethischen Leitprinzipien des Landes Schleswig-Holstein. Das System macht sichtbar, welche Bearbeitungsschritte stattfinden und welche Modelle beteiligt sind. Außerdem zeigt es die Ergebnisse der einzelnen KI-Agenten und gibt Quellenhinweise an.
Ein funktionsfähiger Forschungsprototyp für internistische Fälle ist bereits entwickelt und wird derzeit in einer Validierungsstudie überprüft. Dafür vergleicht die Forschungsgruppe um Projektleiter Prof. Dr. Stefan Fischer Diagnosen und Empfehlungen des Assistenzsystems mit denen von Ärzt*innen ohne KI-Unterstützung. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Frage, ob und in welchem Umfang der Prototyp die medizinische Qualität und Effizienz verbessert. Die Ergebnisse der Validierungsstudie fließen in die gezielte Verbesserung des Prototyps ein.
Das Land Schleswig-Holstein fördert SH.IFT mit 169.987,00 €. In Kiel nahm Prof. Dr. Stefan Fischer am 20. Oktober den Zuwendungsbescheid von Digitalisierungsminister Dirk Schrödter entgegen.
"Mit dem Projekt SH.IFT entsteht ein KI gestütztes Diagnostik-Assistenzsystem, das unseren Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, schneller und zuverlässiger zu entscheiden. So verbessern wir die medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger unmittelbar. Außerdem wird das Innovations- und Wirtschaftspotenzial unseres Landes weiter ausgebaut: SH.IFT kann später in der regionalen Gesundheitswirtschaft neue Arbeitsplätze schaffen und Schleswig-Holstein als Standort für digitale Medizin noch weiter stärken. Daher ist die finanzielle Unterstützung des Landes für dieses Projekt eine wichtige und richtige Maßnahme“, begründet Minister Dirk Schrödter die Förderung.
Der aktuelle Prototyp bildet die Grundlage für weitere Forschung und Erprobung. Perspektivisch soll ein modulares, konfigurierbares System entstehen, dass sich auf unterschiedliche medizinische Fachgebiete übertragen lässt – ein Schritt hin zu einer nachhaltigen und skalierbaren Unterstützung von Ärzt*innen in der Diagnostik.