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Donnerstag, 21.05.2026

Forschung

Jugendliche forschen zu E-Zigaretten

Ben Schäfer (l.) und Lukas King stellten ihre Forschungsergebnisse aus "Schule * Vape * Wissenschaft" vor. (Fotos: Ann-Kristin Zoike / Uni Lübeck)

3. Schulsymposium präsentiert Ergebnisse aus „Schule * Vape * Wissenschaft“

Ist Stress ein Risikofaktor für den Konsum von Nikotin? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Rauchen und schulischen Leistungen? Welchen Einfluss hat das Umfeld auf das Konsumverhalten von Jugendlichen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler aus Lübeck, Reinfeld und Sandesneben im Rahmen des partizipativen Präventions- und Aufklärungsprojekts „Schule * Vape * Wissenschaft“. Beim diesjährigen Abschlusssymposium präsentierten sie am 18. Mai 2026 vor rund 80 Gästen ihre Ergebnisse.

Das Besondere an dem Projekt: Die Jugendlichen werden selbst zu Forschenden. Sie entwickeln eigene Fragestellungen, recherchieren wissenschaftliche Literatur, erheben Daten, analysieren diese und präsentieren ihre Ergebnisse. Neben dem wissenschaftlichen Arbeiten verfolgt das Projekt ein klares Präventionsziel: das Bewusstsein für die Risiken des Rauchens und Dampfens zu schärfen. Vor dem Hintergrund des steigenden Konsums von E-Zigaretten wurde das Projekt 2024 von der Universität zu Lübeck initiiert und steht unter der Schirmherrschaft des Beauftragten der Bundesregierung für Drogen- und Suchtfragen, Prof. Dr. Hendrik Streeck.

PD Dr. Klaas F. Franzen, Mitinitiator des Projekts und Pneumologe an der Universität zu Lübeck sowie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, lobte die Ernsthaftigkeit und Kreativität der Schüler:innen in ihrer Rolle als Forschende: „Sie stellen Fragen, die uns selbst weiterbringen.“ Zudem sieht er in dem interaktiven Ansatz einen besonderen Mehrwert: „Reine Aufklärung erreicht den Kopf und wir sehen, dass unser Ansatz die Haltung erreicht. Wenn Jugendliche selbst messen, selbst auswerten und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern davon berichten, entsteht eine glaubwürdige Peer-Wirkung, die keine Broschüre erzeugen kann.“

Im dritten Durchgang des Projekts nahmen Schülerinnen und Schüler der Grund- und Gemeinschaftsschule Sandesneben, der Emanuel-Geibel-Schule, des Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasiums, des Katharineums zu Lübeck, der Baltic Schule sowie der Immanuel-Kant-Schule Reinfeld teil. Mit Fragebögen, einer Eye-Tracking-Brille zur Messung von Augenbewegungen und einem Tremoflo zur Analyse der Lungenfunktion untersuchten die jungen Nachwuchswissenschaftler:innen ihre Mitschülerinnen und -schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren.

Einblicke in das Konsumverhalten Jugendlicher

Die neuen Daten zeigen erneut: Vaping ist unter Jugendlichen nach wie vor verbreitet. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sowohl soziale Medien als auch das Konsumverhalten der Eltern Einfluss auf das Rauch- und Dampfverhalten junger Menschen haben. Zudem ergaben sich innerhalb der Stichprobe Hinweise darauf, dass Nikotinkonsum mit einem höheren Stressempfinden und geringerer schulischer Leistung zusammenhängt.

Lukas King von der Grund- und Gemeinschaftsschule Sandesneben war bereits zum dritten Mal bei dem Projekt dabei: „Es ist ein total cooler Prozess, wie man am Projekt wächst und wissenschaftliches Denken kennenlernt. Ich glaube, das hilft später auch fürs Studium.“

Neues Angebot für jüngere Jahrgänge

Neu in diesem Jahr war ein spezielles Angebot für die Jahrgangsstufen 5 bis 7. Die Schüler:innen untersuchten die Auswirkungen von Zigaretten, E-Zigaretten, Tabakerhitzern und Nikotinbeuteln auf die Umwelt durch einfache, aber eindrucksvolle Experimente und bereiteten ihre Erkenntnisse in Plakaten auf. Damit wurde das Projekt erstmals gezielt auf jüngere Altersgruppen ausgeweitet.

Zu Beginn des Symposiums hielt Prof. Dr. Sabine Ulbricht vom Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universitätsmedizin Greifswald einen Gastvortrag. Mit Blick auf Präventionsmaßnahmen in Australien und den Niederlanden plädierte sie dafür, Tabak- und Nikotinprävention auch in Deutschland als Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung zu verstehen.

Projekt wächst weiter

In diesem Jahr wurde das Projekt maßgeblich von PD Dr. Klaas F. Franzen, Prof. Dr. Folke Brinkmann, Dr. Loana Penner, Consuela Popko, Dr. Mareike Lüthgen, Niel Heitmann, Adrian Heinz und Florian Valentin Graf durchgeführt. Das Projekt „Schule * Vape * Wissenschaft“ wird gefördert von der Michael-Haukohl-Stiftung, der Wessel-Stiftung, der Friedrich Bluhme und Else-Jebsen-Stiftung, der Reinhard-Frank-Stiftung und dem Tuberkuloseverein Niedersachsen. 

Im kommenden Schuljahr soll das Projekt auf weitere Schulen auch außerhalb der Region Lübeck ausgeweitet werden. Ziel ist es, noch mehr Jugendliche für eine selbstbestimmte, informierte Auseinandersetzung mit Gesundheitsthemen zu gewinnen.

Entwicklung des Nikotinkonsums an den teilnehmenden Schulen

Prof. Dr. Sabine Ulbricht diskutierte Präventionsmaßnahmen in Australien, Niederlande und Deutschland.