Website
Aktuelles
Donnerstag, 23.04.2026

Studium

Interprofessioneller Tag 2026

Die Studierenden Max, Leonard und Nora (v.l.n.r.) bereiten sich einhändig ein Frühstück zu. (Fotos: Ann-Kristin Zoike / Uni Lübeck)

Gemeinsam für eine bessere Versorgung

Wie fühlt es sich an, alltägliche Aufgaben plötzlich nur noch mit einer Hand zu bewältigen? Für einen kurzen Moment wird genau das für die Physiotherapie-Studentin Nora und die Medizin-Studenten Max und Leonard zur Realität. Sie sollen sich ein Frühstück zubereiten: Apfel schneiden, Karotte schälen, Brot schmieren – das alles nur mit einer Hand. "Es ist schwieriger als gedacht", bemerkt Nora. "Man muss komplett neue Abläufe entwickeln."

Gemeinsam mit 15 weiteren Studierenden nehmen Nora, Max und Leonard an einem Workshop im Rahmen des Interprofessionellen Tages teil. Unter dem Motto "Ein selbstbestimmter Start in den Tag" lernen sie nicht nur die Arbeit der Ergotherapie kennen – sie erleben auch, wie es sich anfühlen kann, Patient*in zu sein.

Zusammenarbeit als Schlüssel 

Perspektivwechsel – darum geht es während des Interprofessionellen Tages an der Universität zu Lübeck. Rund 350 Studierende des zweiten Semesters aus der Sektion Medizin – dazu zählen Humanmedizin, Pflege, Physiotherapie, Hebammenwissenschaft, Ergotherapie, Logopäde, Gesundheits- und Versorgungswissenschaften ebenso wie Angewandte Pflegewissenschaft – kommen an diesem Tag zusammen, um voneinander und miteinander zu lernen. Die ganztätige Veranstaltung ist fester Bestandteil des Lehrplans und findet 2026 bereits zum 7. Mal statt.

"Eine gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit ist ein zentraler Schlüssel für eine qualitativ hochwertige, sichere und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung", erklärt Dr. Annemarie Minow aus dem Referat Studium und Lehre Humanmedizin. "Wenn unterschiedliche Berufsgruppen ihr Wissen bündeln, Informationen klar austauschen und Entscheidungen gemeinsam treffen, können Risiken frühzeitig erkannt, Fehler vermieden und Behandlungsverläufe deutlich verbessert werden."

Gleichzeitig stärke eine funktionierende Zusammenarbeit auch die Arbeitszufriedenheit: Wer sich auf ein gut abgestimmtes Team verlassen kann, erlebt weniger Belastung und mehr Motivation im Berufsalltag.

Ein Tag, viele Perspektiven

Im Laufe des Tages durchlaufen die Studierenden verschiedene Workshopformate. Im Workshop "100 Minuten Teamkultur" reflektieren sie eigene Erfahrungen in der Zusammenarbeit und entwickeln gemeinsame Werte für gelingende Teamarbeit. In den "100 Minuten Gesundheitswissen Insights" erhalten sie praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder und deren Zusammenspiel – vom ersten Patientenkontakt über die Arbeit von Hebammen bis hin zu Entscheidungsprozessen in der Notaufnahme.

Eine Besonderheit in diesem Jahr: Neben den Studierenden nahmen auch 16 Auszubildende der Pflege von der UKSH Akademie in Lübeck sowie Mitglieder des Patient*innenbeirats des Universitären Cancer Center Schleswig-Holstein (UCCSH), der HAWK Göttingen und des Dekanats der Medizinischen Fakultät Kiel teil.

Ihr Eindruck zeigt, wie relevant das Format auch über die Universität hinaus ist: "Wir freuen uns zu sehen, wie zukunftsweisend an der Universität zu Lübeck angehende Gesundheitsexperten*innen ausgebildet werden. Die von uns besuchten Workshops machten deutlich, dass auf unterschiedlichen Ebenen die kommunikativen Voraussetzungen für eine gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit geschaffen werden. Aus onkologischer Patienten*innensicht ist der interprofessionelle Tag essenziell, weil eine gute Versorgung von Krebspatienten*innen nur durch eine Bündelung der Fachexpertise möglich ist. Und dazu gehört, dass die Gesundheitsexperten*innen, die Skills erweitern, um gut miteinander zusammen zu arbeiten", berichten Gesa Weitendorf, Thomas Bock und Heike Kühl-Frese aus dem Patient*innenbeirat des UCCSH.

Am Ende des Tages ziehen auch Nora, Max und Leonard ein Fazit. "Mir ist heute noch einmal klar geworden, dass gute Patientenversorgung nur im Zusammenspiel verschiedener Berufsgruppen funktioniert", sagt Max. Leonard ergänzt: "Gerade am Anfang des Studiums ist es wichtig, die anderen Perspektiven kennenzulernen. Der Tag hat mir gezeigt, wie viel wir voneinander lernen können." Und Nora fasst zusammen: "Man versteht nicht nur die anderen Berufe besser – man versteht auch die Patient*innen besser."

Der Interprofessionelle Tag zeigt: Zusammenarbeit beginnt nicht erst im Berufsalltag – sondern schon im Studium.

Ein Küchenbrett mit Haltegabel hilft bei der Zubereitung.

In der Ergotherapie kommen eine Vielzahl an Hilfsmitteln zum Einsatz, um Patient*innen in ihrer alltäglichen Handlungsfähigkeit zu unterstützen.

Workshop-Leiterin und Ergotherapeutin Meike Anstett (links) zeigt Studentin Anna-Lena biegbares Essbesteck.