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Dienstag, 12.05.2026

Studium

Geburtshilfe gemeinsam lernen

Lia und Theresa (v.l.n.r., Hebammenwissenschaft) demonstrieren den Ablauf einer physiologischen Geburt am Modell. (Fotos: Ann-Kristin Zoike / Uni Lübeck)

Neues interprofessionelles Skills-Training zur physiologischen Geburt an der Universität zu Lübeck

Wie begleitet man eine Geburt sicher, empathisch und im Team? Und was tun, wenn eine Geburt plötzlich beginnt? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 15 Studentinnen der Medizin und der Hebammenwissenschaft in einem neuen interprofessionellen Skills-Training zur physiologischen Geburt an der Universität zu Lübeck. Im Skills Lab trainierten sie gemeinsam typische Situationen rund um die physiologische Geburt. Ziel des neuen Lehrangebots war es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Handlungssicherheit, Entscheidungsfähigkeit und ein gemeinsames Verständnis für die Zusammenarbeit in der Geburtshilfe zu fördern.

„Geburtshilfe ist einfach Teamarbeit“, bringt es Esther, Studentin der Hebammenwissenschaft, auf den Punkt. „Wir arbeiten in der Geburtshilfe in enger interprofessioneller Zusammenarbeit und bringen unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen mit. Gerade in Situationen, in denen Unsicherheiten entstehen oder eine zweite Einschätzung hilfreich ist, ist es wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen.“

Vom häuslichen Setting bis zum Kreißsaal

Das Training war in drei Themenräume gegliedert, die unterschiedliche Perspektiven auf die Geburtshilfe eröffneten: In Themenraum 1 ging es unter anderem um die Begleitung einer Geburt außerhalb des klinischen Umfelds oder in ungeplanten Situationen. Die Studentinnen beurteilten außerdem eine Plazenta und thematisierten die Zusammenarbeit von Hebammen und Ärzt*innen.

In Themenraum 2 standen Geburtspositionen, Mythen der Geburtshilfe sowie Gewalt in der Geburtshilfe im Mittelpunkt. Themenraum 3 beschäftigte sich schließlich mit Geburtsphasen und sowie praktischen Handgriffen. 

„Wir hatten sehr viele Situationen, in denen wir selbst mit anfassen konnten. Das Training hat sehr davon gelebt, selbst dabei zu sein und selbst zu erleben“, sagt Tabea, Medizinstudentin. Gerade dieser praktische Zugang habe das Format besonders gemacht.

Perspektiven wechseln, voneinander lernen

Ein zentrales Element des Trainings war der direkte Austausch zwischen den Berufsgruppen. Während die Studentinnen der Hebammenwissenschaft ihre Perspektiven und Erfahrungen einbrachten, konnten die Medizinstudentinnen Einblicke in die Begleitung physiologischer Geburten jenseits rein klinischer Abläufe gewinnen.

„Interprofessionelle Zusammenarbeit ist in der Geburtshilfe unglaublich wertvoll“, sagt Vivienne, Studentin der Hebammenwissenschaft. „Dafür ist es wichtig, die Perspektiven und die Arbeit der jeweils anderen Berufsgruppe kennenzulernen und wertzuschätzen.“

„Was ich auf jeden Fall mitnehme, ist, dass der Fokus auf Ruhe, dem Zugang zur Gebärenden und darauf liegt, einen sicheren Raum zu schaffen,“ hält Tabea fest.

Auch Marie, Medizinstudentin, nahm eine neue Perspektive mit: „Ich fand es richtig toll, dass die Hebammen, die uns begleitet haben, mir die Sorge genommen haben, dass eine natürliche Geburt etwas total Stressiges ist.“

Das interprofessionelle Training zeigt, wie praxisnahes Lernen in der medizinischen Ausbildung gestaltet werden kann: durch gemeinsames Erleben, Perspektivwechsel und konkrete Handlungssituationen.

Theresa zeigt Marie (Medizin) die Leopold-Handgriffe zur Bestimmung von Lage und Position des Kindes im Mutterleib.

Marie und Tabea (Medizin) tasten mit Unterstützung von Lia (Hebammenwissenschaft) am Modell die Muttermundöffnung (v.l.n.r.).