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Dienstag, 24.01.2023

Lehre

Erste Habilitation in den Gesundheitswissenschaften

Annette Veronika Fox-Boyer, PhD (Foto: Anja Döhring)

Annette Veronika Fox-Boyer, PhD, spricht in ihrer Antrittsvorlesung am 26. Januar über die Erkennung und Früherkennung von Aussprachestörungen

Sie schließt damit ihre Habilitation im Fachgebiet Logopädie ab. Es handelt sich um die erste Habilitation an der Universität zu Lübeck in den Gesundheitswissenschaften. Die Universität unterstreicht so ihre bundesweite Vorreiterrolle in der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe, die sie, beginnend 2014 mit der damaligen Einführung des dualen Studiengangs Pflege, innehat. Es folgten 2016 der primärqualifizierende Bachelorstudiengang Physiotherapie und 2017 die Studiengänge Logopädie, Ergotherapie und Hebammenwissenschaft. 2020 erfolgte die Gründung des Instituts für Gesundheitswissenschaften mit den Fachbereichen Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Hebammenwissenschaft.

Der universitäre Standort für die Gesundheitswissenschaften in Lübeck ist dabei besonders durch den Vorzug der unmittelbaren Nähe und engen Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum gekennzeichnet. Annette Veronika Fox-Boyers Habilitation stellt deutschlandweit einen Meilenstein in der Professionalisierung des Faches Logopädie dar. 

Fox-Boyer, PhD, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bachelor-Studiengang Ergotherapie/Logopädie der Universität. Sie ist anerkannte Logopädin, erwarb zunächst einen M.Sc. in Neuropsycholinguistics an der University of Newcastle upon Tyne, bevor sie an der dortigen Faculty of Education zum Thema der phonologischen Entwicklung und Klassifikation von Aussprachestörungen bei deutschsprachigen Kindern promovierte. Vor ihrem Wechsel an die Universität Lübeck bekleidete Annette Veronika Fox-Boyer die Professur für Logopädie an der Europa Fachhochschule Fresenius sowie die Professur für Theoriebildung in der Logopädie an der EUFH Rostock.

Aussprachestörungen sollten möglichst schon vor dem Schuleintritt identifiziert und behandelt werden

Kinder mit Aussprachestörungen haben Schwierigkeiten, die Wörter ihrer Sprache(n) altersgemäß korrekt auszusprechen. Dabei kann es zu Auslassungen, Ersetzungen, Vertauschungen von Konsonanten, Vokalen oder Silben kommen sowie Abweichungen in Prosodie, Rhythmus, Betonung und Intonation. Aussprachestörungen zählen zu den häufigsten Entwicklungsstörungen und treten isoliert oder als Teilsymptom einer Sprachentwicklungsstörung auf. Abhängig von Art und Schweregrad können sie sich negativ auf die Verständlichkeit und Akzeptanz der Kinder durch andere Personen auswirken.

Aussprachestörungen ziehen auch oft langfristige negative Konsequenzen für die sozial-emotionale, schulische und berufliche Entwicklung der betroffenen Kinder nach sich. Im Kindergartenalter und darüber hinaus sind sie oft mit schlechteren Lese-Rechtschreib-Kompetenzen verbunden und mit einem deutlich erhöhten Risiko für spätere Lese-Rechtschreib-Störungen. Daher ist eine frühe Identifikation und Behandlung gerade vor dem Schuleintritt sinnvoll. Das Vorgehen zur Identifikation ist allerdings teilweise altersabhängig und die reine Feststellung, dass eine Aussprachestörung vorliegt, nicht ausreichend, um einen evidenzbasierten Behandlungsprozess einzuleiten.

Im Rahmen der Antrittsvorlesung (17 Uhr s.t., Hörsaal AM 4, hybrid) sollen altersabhängige Messzeitpunkte zur Überprüfung der Aussprachekompetenz aus pädiatrischer und logopädischer Sicht sowie geeignete Messmethoden vorgestellt werden. Die Bedeutung differentialdiagnostischer Maßnahmen als Basis der Therapieableitung und damit in Zusammenhang stehende aktuelle Forschungsprojekte werden beleuchtet.