Forschende des Social Neuroscience Lab der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Lübeck haben neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Menschen zu ihren Selbstüberzeugungen gelangen und wie sich dieser Prozess mit einer Depression verändert.
Mithilfe funktioneller Bildgebung (fMRT) und computergestützten Modellen konnte zunächst gezeigt werden, dass die Teilnehmenden mit einer Depression sich nicht von den gesunden Kontrollpersonen darin unterschieden, wie selbstbezogenes Feedback verarbeitet wurde.
Mit zunehmender Symptomschwere nutzten sie jedoch positives Feedback immer seltener, um ihr Selbstbild positiv anzupassen. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Insula, eine Hirnregion, die an der emotionalen Verarbeitung beteiligt ist, bei Menschen mit Depressionen stärker auf negative Rückmeldungen reagierte. Diese erhöhte Sensitivität gegenüber negativen Informationen könnte dazu beitragen, dass sich negative Selbstwahrnehmungen verfestigen und positive Erfahrungen weniger Einfluss auf das Selbstbild haben.
Die Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis bei, wie negative Selbstüberzeugungen bei Depressionen entstehen und aufrechterhalten werden. Indem zugrunde liegende neuronale und Lernmechanismen adressiert werden, möchten die Forschenden den Dialog zwischen Neurowissenschaft und Psychotherapie stärken. Langfristig soll dies zu einem besseren Verständnis der Prozesse beitragen, die einer negativen Selbstwahrnehmung bei Depression zugrunde liegen.