
Projektleitende und wissenschaftliche Koordination des Forschungsverbunds OUTLIVE-CRC (v.l.n.r.): Dr. Martina Oberländer und Prof. Dr. Alexander Katalinic (Projekt P1), Prof. Dr. Stefanie Derer (Sprecherin, Projektleitung P3), Dr. Eva Dazert-Klebsattel (wissenschaftliche Koordinatorin, Projekt P5), Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff (Sprecher, Projektleitung P5), Prof. Dr. Hauke Busch (Projektleitung P7), Dr. Larissa Almeida (wissenschaftliche Koordinatorin, Projekt P3) und Jasmin Ostermann (Projekt P6). Nicht im Bild: Prof. Dr. Timo Gemoll (Projekt 6), Prof. Dr. Ruth Deck (Projekt 2) und Daniel Vondran, M.Sc. (wiss. Koordinator Projekt HARMONIZE; Foto: Universität zu Lübeck)
Lübecker Forschungsverbund testet neues Biomarker-Verfahren - Laufende Rekrutierung für die Studienteilnahme und die Patientenpartizipation
Der interdisziplinäre Forschungsverbund OUTLIVE-CRC an der Universität zu Lübeck und am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erhält einen positiven Förderbescheid für seine zweite Förderperiode. Ziel des Verbundes ist es, die Prognose und Lebensqualität nach einer Darmkrebserkrankung zu verbessern.
Im Fokus stehen dabei innovative, auf Flüssigbiopsien basierende Biomarker sowie personalisierte Ernährungsinterventionen für Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben in der zweiten Phase mit 2,81 Millionen Euro im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs.
Bereits in der ersten Förderperiode entwickelte OUTLIVE-CRC ein neuartiges Multi-Marker-Risikopanel, das klinische Parameter des biologischen Alterns mit umfangreichen Multi-Omics-Daten verknüpft. Analysiert werden unter anderem Metabolomik, Proteomik, Genomik, Epigenomik und Mikrobiomik aus nicht-invasiven Flüssigbiopsien wie Blut- oder Stuhlproben. Ziel war es, biologische Alterungsprozesse präziser zu erfassen und mit dem individuellen Krankheitsverlauf in Beziehung zu setzen.
Weltweit zunehmende Inzidenz von Darmkrebs im jüngeren Lebensalter
In der nun gestarteten zweiten Förderperiode liegt der Schwerpunkt auf der Anwendung und Validierung dieses Ansatzes in der klinischen Nachsorge. Im Rahmen strukturierter Nachsorgeuntersuchungen sollen die in der ersten Phase entwickelten personalisierten Ernährungsinterventionen eingesetzt und gleichzeitig das Multimarker-Risikopanel daraufhin überprüft werden, ob sich Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Rezidivrisiko oder einem frühen Rückfall zuverlässig identifizieren lassen. Langfristig soll so eine frühzeitigere und individuellere Nachsorge ermöglicht werden.
Weltweit ist eine zunehmende Inzidenz von Darmkrebs im jüngeren Lebensalter zwischen 20 und 50 Jahren zu beobachten. Prognosen gehen davon aus, dass die globale Inzidenz bis 2030 um rund 60 Prozent ansteigen wird; für das Jahr 2040 werden weltweit etwa 3,2 Millionen Neuerkrankungen erwartet. Besonders europäische Länder gelten als stark betroffen von diesem Trend, der eine wachsende Herausforderung für die Gesundheitssysteme darstellt. Ein möglicher ungünstiger Faktor für die Prognose junger Patientinnen und Patienten ist die Diskrepanz zwischen chronologischem und biologischem Alter, insbesondere bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms. Da Ernährung als zentraler Expositionsfaktor biologische Alterungsprozesse beeinflussen kann, rückt sie im Verbund OUTLIVE-CRC gezielt in den Fokus der Forschung.
Koordiniert wird der Forschungsverbund von Prof. Dr. Stefanie Derer-Petersen, stellvertretende Direktorin und Arbeitsgruppenleiterin am Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, und der Universität zu Lübeck, sowie von Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie des UKSH, Campus Lübeck, und Vorstand des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH).
Enge Ausrichtung an den Bedürfnissen der Betroffenen und ihrer Angehörigen
Am Forschungsverbund OUTLIVE-CRC beteiligen sich zahlreiche weitere Einrichtungen der Universität zu Lübeck und des UKSH: das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, das Interdisziplinäre Centrum für Biobanking-Lübeck, die Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie und Biomaterialbanken der Klinik für Chirurgie sowie die Abteilung Medizinische Systembiologie. Ein weiterer Partner ist das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, das mit zusätzlichen 104.179 Euro gefördert wird.
Zwei weitere Besonderheiten des Verbundes sind zum einen die kontinuierliche Partizipation von Patientinnen und Patienten, um die Forschung und die wissenschaftliche Kommunikation eng an den Bedürfnissen von Betroffenen und ihren Angehörigen auszurichten. Zum anderen das vom OUTLIVE-CRC-Konsortium etablierte HARMONIZE-Projekt, welches die verbundübergreifenden Netzwerkaktivitäten aller vier geförderten Konsortien koordiniert. Zentrale Ziele des HARMOIZE-Projektes sind der Aufbau einer gemeinsamen Daten- und Bioprobenbank, der netzwerkübergreifende Technologietransfer sowie die Entwicklung standardisierter Analyseverfahren.
Patientinnen und Patienten können sich laufend an der Studie beteiligen, indem sie dem Projekt Bioproben und Daten rund um ihrer Erkrankung zur Verfügung stellen. Andererseits können sie in der Patientenvertretung Einsicht in wissenschaftliche Abläufe erhalten und durch ihre Rückmeldung zu deren Verbesserung aus Patientensicht beitragen.
für die Ukraine