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Montag, 02.11.2026

Internationales

Brücken nach Zentralasien

Treffen der Delegation der Universität zu Lübeck mit Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für Wissenschaft, Hochschulwesen und Innovation der Kirgisischen Republik in Bischkek (Fotos: )

Lübecker Delegation stärkt Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Patientenversorgung in Kirgisistan

Wie kann man die Diagnose der Parkinsonerkrankung in einem Schwellenland verbessern? Was nützt dann aber die Diagnose, wenn die notwendigen Medikamente nicht verfügbar sind? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt einer Forschungskooperation zwischen der Universität zu Lübeck und universitären Partnern in Kirgisistan.

Ende Oktober 2026 besuchten Prof. Dr. Christine Klein, Direktorin des Instituts für Neurogenetik der Universität zu Lübeck, und Prof. Dr. Thomas Münte, Vizepräsident Medizin der Universität, gemeinsam mit ihrer kirgisischen Kollegin Dr. Cholpon Shambetova, die seit drei Jahren ihre Zeit zwischen Lübeck und Kirgisistan teilt, zahlreiche wissenschaftliche und politische Einrichtungen in dem zentralasiatischen Land. Ziel sei es gewesen, die bestehende Zusammenarbeit auszubauen und neue Perspektiven für Forschung, Lehre und medizinische Versorgung zu eröffnen, wie Prof. Münte nach der Reise sagte.

Parkinsonforschung mit unmittelbarem Nutzen für die Menschen

Im Mittelpunkt stand das von Dr. Cholpon Shambetova und Prof. Christine Klein initiierte und geleitete Projekt KyrPARK, das mit Unterstützung des internationalen Global Parkinson's Genetics Program (GP2) und der Universität zu Lübeck ein landesweites Forschungsnetzwerk aufgebaut hat. Innerhalb von nur 20 Monaten wurden 1.240 Menschen in die Studie aufgenommen, darunter 549 Personen mit Parkinson-Syndromen. Zugleich entstanden eine spezialisierte Ambulanz, sechs weitere klinische Standorte, eine Biobank und eine Forschungsdatenbank. Ärztinnen und Ärzte sowie wissenschaftliches Personal wurden in mehreren Workshops in modernen Untersuchungs- und Forschungsmethoden geschult.

Die Untersuchungen offenbarten allerdings auch erhebliche Defizite in der medizinischen Versorgung: Von den ersten 300 untersuchten Parkinsonpatientinnen und -patienten hatte mehr als jede fünfte Person noch nie das wichtigste Parkinsonmedikament Levodopa erhalten – trotz zum Teil langjähriger Erkrankung. Mit dem geplanten Folgeprojekt KyrPARK-Care soll deshalb der Zugang zu Medikamenten verbessert, die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen gestärkt und Telemedizin etabliert werden.

Neue Perspektiven für die Hochschulpartnerschaft

Die Reise führte die Delegation unter anderem zu Gesprächen mit der Leitung der Kyrgyz State Medical Academy (KSMA), den kirgisischen Ministerien für Gesundheit und Wissenschaft, Vertreterinnen und Vertretern des Wissenschafts- und Hochschulbereichs sowie der Osh State University im Süden des Landes.

Dabei ging es um weit mehr als die Parkinsonforschung. Die KSMA zeigte großes Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit Lübeck, insbesondere an einem gemeinsamen Projekt zur Weiterentwicklung der medizinischen Lehre und an einem intensiveren Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Bei einem Treffen mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wurden außerdem Möglichkeiten diskutiert, die Arbeit von kirgisischen Promovierenden in Lübeck zu fördern und jungen Forschenden Forschungsaufenthalte an unserer Universität zu ermöglichen.

Die Reise unterstrich damit das Potenzial der Partnerschaft: Aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt zur Parkinson-Krankheit entwickelt sich eine breiter angelegte Hochschulkooperation, die wissenschaftliche Nachwuchsförderung, moderne medizinische Ausbildung und die Verbesserung der Patientenversorgung miteinander verbindet. Ein Beispiel dafür, wie internationale Wissenschaftskooperation ganz konkret das Leben von Menschen verbessern kann.

Prof. Christine Klein (2. v. r.), Prof. Thomas Münte (3. v. r.) und Dr. Cholpon Shambetova zusammen mit Vertretern des Gesundheitsministeriums der Kirgisischen Republik, Oktober 2026.