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Montag, 01.06.2026

Forschung

Bessere Vorhersage und Bewältigung von Krisenlagen

Bei einer Krisenlage nehmen Expert*innen mögliche Szenarien in den Blick. In einer Zentrale wird die Situation genau betrachtet (Foto: Guido Kollmeier / Uni Lübeck)

Forschende der Universität zu Lübeck nutzen simulierte Extremwetterereignisse und entwickeln eine technische Anwendung, die Behörden und Einsatzkräfte unterstützt.

Energie-, Wasser- und Verkehrsnetze bilden das Rückgrat moderner Gesellschaften. Die kritische Infrastruktur kann jedoch gestört werden oder sogar ausfallen, wodurch weitere Bereiche betroffen sein können. Wenn es zum Beispiel zu Überschwemmungen kommt, kann dies sowohl für die Menschen in einem Ort gefährlich werden als auch Auswirkungen auf das Verkehrsnetz und die Energieversorgung haben.

Behörden und Organisationen, die sich um die Sicherheit kümmern, stehen in solchen Fällen vor zunehmenden Herausforderungen. Insbesondere der Klimawandel erhöht die Häufigkeit und Schwere von Extremereignissen wie Hochwasser und Starkregen, die sogenannte Kaskadeneffekte auslösen können.

Auswirkungen vorab simulieren

Hinzukommt, dass in diesen Situationen komplexe Entscheidungen unter hohem Zeitdruck getroffen werden müssen, um sektorübergreifende Abhängigkeiten und deren Auswirkungen auf Evakuierung und Notfallversorgung systematisch zu erfassen. Umso wichtiger ist es, vorab mögliche Auswirkungen simulieren zu können. Zum Beispiel spielt es eine Rolle, in welche Himmelsrichtung ein starkes Gewitter mit Starkregen zieht – je nachdem können Vorhersagen erstellt werden, die vorab Planungen und Vorbereitungen ermöglichen und die somit auf eine drohende Katastrophe vorbereiten können. Dafür können Daten zum Wetter, über geographische Bedingungen sowie über Verkehr und Informationen über die Stadtplanung ausgewertet werden.

In dem neuen Projekt „Präventiver Schutz gegen kaskadierende Störungen Kritischer Infrastrukturen durch resiliente Prozesse in der Krisenlogistik“ (PreKris) entwickeln Forschende der Universität zu Lübeck eine Software-Anwendung, um die Behörden und Einsatzkräfte bei der präventiven Planung und der operativen Bewältigung von Krisenlagen mit Infrastrukturausfällen zu unterstützen. Kaskadeneffekte werden simuliert – die Ergebnisse werden anschließend so aufbereitet, dass sie für die Menschen im Einsatz effektiv genutzt werden können. Auf den Computern der Einsatzleitungen wird dann ein interaktives System zur Verfügung gestellt.

Einsatz in Krisenlagen

„Bei dem Projekt haben wir im Fokus, etwas zu entwickeln, was echten Nutzen stiftet und tatsächlich in Krisenlagen zum Einsatz kommen kann", sagt Prof. André Calero Valdez, Leiter des Teilprojekts in Lübeck und Professor am Institut für Menschzentrierte Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck. Zu seinem Team gehören Toni Schumacher und Marthe Gruner. Daniel Lichte vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. leitet das Konsortium.

Außerdem beteiligt sind: Bergische Universität Wuppertal, Feuerwehr Gelsenkirchen, vfdb e. V., 3-core GmbH, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz e. V., Feuerwehr Bergisch Gladbach, Rheinisch-Bergischer Kreis, Fachverband Leitstellen e. V., Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e. V., CADUS e. V. Noch bis Februar 2029 nehmen die Beteiligten das Thema in den Blick.

Die Forschungspartner bringen dabei verschiedene Kompetenzen mit.  So haben die Expert*innen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Simulationsexpertise und Erfahrungen bei der Bildung von Modellen. Zudem werden die Krisenlogistikforschung der Bergischen Universität Wuppertal und das praktische Erfahrungswissen der Feuerwehr Gelsenkirchen zusammengebracht. Die entwickelten Benutzerschnittstellen werden als Open-Source-Software bereitgestellt, während die vfdb e. V. die bundesweite Übertragbarkeit durch Schulungskonzepte für alle deutschen Sicherheitsbehörden sicherstellt.

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben innerhalb seines Programms „Forschung für die zivile Sicherheit – Gemeinsam für ein sicheres Leben in einer resilienten Gesellschaft" mit insgesamt 3 Millionen Euro. Die Lübecker Beteiligten erhalten davon 411.000 Euro.