Das Medizinische Laserzentrum Lübeck und das Uni-Institut für Biomedizinische Optik feierten Jubiläum
Seit 1986 und seit 2005 zählen das Medizinische Laserzentrum Lübeck und das Institut für Biomedizinische Optik der Universität zu Lübeck zu den national und international ausgewiesensten Forschungs-, Transfer- und Ausbildungseinrichtungen in der Lasermedizin. Am 10. Juli 2026 feierten sie gemeinsam mit internationalen Gästen, zahlreichen Kooperationspartnern und ehemaligen wie derzeitigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihr 40- bzw. 20+1-jähriges Jubiläum.
„Seit vier Jahrzehnten arbeiten wir täglich mit Leidenschaft daran, innovative optische Technologien und Laserverfahren – von der Diagnostik bis zur Therapie – zu erforschen, zu entwickeln sowie in die Klinik und zu Medizintechnikfirmen zu transferieren“, verlauteten Dr. Ralf Brinkmann, Geschäftsführer des Laserzentrums, und Prof. Dr. Robert Huber, Direktor des Instituts für Biomedizinische Optik, gemeinschaftlich.
Grußworte zu der Festveranstaltung sprachen Prof. Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck, Dr. Olaf Taurus, Staatssekretär des Ministeriums für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein, und Monika Frank, Senatorin für Bildung und Kultur der Hansestadt Lübeck. Den Einführungsvortrag „Photonics for Life – Wie Biophotonik die Medizin präziser, schneller und personalisierter macht“ hielt Prof. Dr. Jürgen Popp von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Leibniz-Institut für photonische Technologien in Jena.
Nachhaltige Stärkung des Medizintechnikstandorts Lübeck
Vor 40 Jahren, im Mai 1986, wurde das Medizinische Laserzentrum Lübeck (MLL) als gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft an der damals noch Medizinischen Universität zu Lübeck gegründet. Initiator Prof. Dr. med. Alfons Hofstetter war damals Direktor der Klinik für Urologie. Er konnte mit seiner Idee, die Wirkung von Laserstrahlung auf Gewebe näher zu erforschen und das klinische Potenzial von Lasern auszuloten, sowohl das Land Schleswig-Holstein für eine Grundfinanzierung überzeugen als auch tragende Gründungsgesellschafter gewinnen - neben der Universität die Hansestadt Lübeck, die Drägerwerk AG und drei weitere überregionale Medizintechnikfirmen. Ziel und Aufgabe des Laserzentrums waren und sind nach wie vor, innovative optische Technologien zu erproben und für neue Anwendungen und Produkte in die Klinik und die Industrie zu transferieren, um damit besonders auch den Medizintechnikstandort Lübeck zu stärken.
Im Zuge des weiteren Ausbaus zu einer Life-Science-Universität wurde aus dem Laserzentrum heraus als neues Institut an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität zum 1. Januar 2005 das Institut für Biomedizinische Optik (BMO) gegründet, um die Lehre und Ausbildung in optischen und für die Lebenswissenschaften relevanten Technologien am Campus zu ermöglichen.
Während sich das BMO auf Lehre und vornehmlich Grundlagenforschung konzentriert, legt das MLL als außeruniversitäres Forschungsinstitut in der Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) - seit 2005 ohne jegliche Grundfinanzierung – weiterhin seinen Fokus auf angewandte Forschung, Entwicklung und Technologietransfer.
Bogen von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Erprobung
Dr. Ralf Brinkmann und Prof. Dr. Robert Huber betonen, dass die enge Kooperation zwischen MLL und BMO in demselben Gebäude und teils denselben Laboren unter gegenseitiger Nutzung der Geräte und Infrastruktur sich als sehr fruchtbringend erwiesen hat. Der tägliche Gedankenaustausch der Mitarbeiter, sei es im Labor oder in der Kaffeeecke, ist Basis für immer neue Ideen und deren Umsetzung und Erprobung. Die für die Forschung und Entwicklung nötigen Gelder von Bund, Europäischer Union, außereuropäischen Staaten und der Industrie sind über die Jahre kontinuierlich gestiegen und betrugen im Schnitt über die letzten fünf Jahre knapp fünf Millionen Euro pro Jahr.
Über diese Drittmittel werden derzeit 25 hochqualifizierte Wissenschaftler- und Ingenieursstellen am MLL und 14 Wissenschaftlerstellen am BMO finanziert, die an den interdisziplinären Projekten forschen, zusammen mit vielen Studierenden im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten. Bei gewecktem Interesse bietet sich ihnen auch die Möglichkeit, nach erfolgreichem Abschluss an der Universität zu Lübeck zu promovieren. MLL und BMO ermöglichen so eine praxisnahe akademische Ausbildung von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung mit Knowhow-Transfer.
Ein gutes Beispiel für eine sehr erfolgreiche Kooperation des Instituts für Biomedizinische Optik, des Medizinischen Laserzentrums und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, die den Bogen von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Erprobung geschlagen hat, ist die Optische Kohärenztomographie (OCT). Diese ermöglicht es, mit Licht ca. zwei Millimeter tief in Gewebe hineinzuschauen. Zur Erforschung des OCT-Potenzials wurde im Jahr 2013 eine durch MLL und die Industrie unterstützte Stiftungsprofessur am BMO eingerichtet.
Neuer Lasertyp für schnellste Optische Kohärenztomographie
Prof. Huber erfand einen neuen Lasertyp, durch den seit mehr als zwei Jahrzehnten die weltweit mit Abstand schnellsten OCT-Geräte realisiert werden. Er wurde dafür 2017 mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet. Prof. Dr. Gereon Hüttmann, stellvertretender Direktor des BMO, hat mit der OCT in den letzten Jahren bahnbrechende Erkenntnisse im Bereich Optophysiologie erreicht.
Dr. Brinkmann erläutert hierzu: „Zur Erprobung des diagnostischen Potenzials der OCT werden am MLL dazu Demonstratoren gemäß der europäischen und nationalen Gesetze für eine erstmalige Anwendung in der Klinik entwickelt. Das MLL fungiert dabei als formaler Hersteller, um die Voraussetzung für sogenannte sonstige klinische Studien, oftmals mit Medizinern des UKSH, zu ermöglichen“.
OCT-Geräte finden sich heute nahezu in jeder augenklinischen Praxis und ermöglichen den Ärzten, in die Tiefe der Netzhaut zu schauen und verschiedenste Erkrankungen nicht-invasiv und kontaktfrei zu diagnostizieren und Therapien zum Beispiel zur altersbedingten Makuladegeneration (AMD) im Zeitverlauf präzise zu verfolgen. Zur diagnostischen Erforschung der OCT und weiterer innovativer optischer Methoden in der Augenheilkunde wird aktuell von der Heinz Besser Stiftung Lübeck eine Stiftungsbrückenprofessur an der Klinik für Augenheilkunde des UKSH, Campus Lübeck, finanziert, die mit Prof. Dr. Yoko Miura besetzt wurde.
Die Gründungs- und Anfangsinvestitionen haben sich um ein Vielfaches bezahlt gemacht
Neben Anwendungen am Auge wird die OCT am UKSH unter anderem auch in der Neurochirurgie erforscht, um während der Operation die Erkennung von Hirntumoren zu verbessern, und zur Differenzierung von Entzündungen im Mittelohr gemeinsam mit der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Weitere Applikationen in der laparoskopischen Chirurgie und der Herzchirurgie sind geplant.
Aus innovativen optischen Technologien haben sich aus dem MLL in den letzten 20 Jahren sechs Firmen erfolgreich ausgegründet, von denen bislang vier von großen und renommierten Firmen übernommen wurden. Diese haben in Lübeck daraufhin Zweigstellen gegründet, um den Standortvorteil am Hanse Innovation Campus zu nutzen, sowohl in der technologischen Expertise als auch wegen der hochqualitativ ausgebildeten Studienabgänger. Hierdurch wurden bislang am Standort Lübeck dauerhaft mehr als 120 hochinnovative Arbeitsplätze geschaffen, mit steigender Tendenz. Etwa ein Drittel der Beschäftigten haben dabei ihre Wurzeln am MLL und BMO.
Dr. Brinkmann zieht als Fazit nach 40 Jahren Lasermedizin in Lübeck: „Die Gründungs- und Anfangsinvestitionen des Landes Schleswig-Holstein haben den Hanse Innovation Campus und Medizintechnikstandort Lübeck damit nachhaltig gestärkt und sich im Hinblick auf die geschaffenen Arbeitsplätze und die bislang über 70 Millionen Euro eingeworbener Drittmittel auch finanziell um ein Vielfaches bezahlt gemacht.“