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Karl Marx und die ökologische Kritik

Dienstag, 12.06.2018

Das Problem der Naturzerstörung als Grenze des Kapitalismus - Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. em. Birgit Mahnkopf (Berlin) am 21. Juni im Rahmen des Studium generale (19:15 Uhr, Audimax)

Karl Marx war nicht der naive Fortschrittsoptimist, als der er oft dargestellt worden ist. Ganz im Gegenteil, er hat früh auf die Zerstörung der beiden „Springquellen“ allen Reichtums – die menschliche Arbeit und die Natur – aufmerksam gemacht. Freilich hatte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Zerstörung ökologischer Systeme noch nicht so bedrohliche Ausmaße angenommen wie heute. Folglich war auch ein Kollaps der menschlichen Zivilisation, anders als heute, schwer vorstellbar. Durch seine vielfältigen naturwissenschaftlichen Studien, von denen wir erst heute durch die Veröffentlichung seiner mehr als 200 Exzerpt-Hefte Kenntnis erlangt haben, hatte Marx begriffen, dass die Verwüstung des Planeten durch die industrialisierte Landwirtschaft, die große Industrie und die Verstädterung und vor allem durch den Welthandel und die Ausplünderung der Kolonien durch die imperialistischen Mächte zu einer essentiellen Bedrohung für das Mensch-Natur-Verhältnis geworden war. Zugleich zeigt Marx aber auch, warum Probleme der ökologischen Nachhaltigkeit von der gesellschaftlichen Form des Lebens in einer höchst ungerechten Gesellschaft, die (auch heute noch) in Klassen gespalten ist, nicht getrennt werden können. Kurzum: Der „ökologische Marx“ ist ein Zeitgenosse, der heute mit großem Gewinn studiert werden kann.

Birgit Mahnkopf ist emeritierte Professorin für Europäische Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland. Sie hat breit zu Fragen der Globalisierung, zur europäischen Integration und zu den Zusammenhängen von kapitalistischer Gesellschaftsordnung und sozial-ökologischen Transformationsprozessen publiziert.

Es handelt sich um einen verlegten Termin: Der jetzt am 21. Juni stattfindende Vortrag war ursprünglich für den 24. Mai vorgesehen.

Politische Krisen, ökonomische Armut und Hunger waren Vorboten für die Revolutionen 1848 in vielen Ländern Europas, so auch in England, Frankreich und in Deutschland: Eine Art europäischer Frühling fand statt, „ein Gespenst ging um in Europa“, wie Karl Marx und Friedrich Engels im kommunistischen Manifest formuliert haben, in dem der Klassenkampf und die internationale Solidarität des Proletariats als Grundlage zur Überwindung des Kapitalismus beschworen werden.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Auflösung der DDR in der Bundesrepublik schienen Marx und die Grundpositionen des Marxismus ausgesorgt zu haben. Doch wenige Jahre später (und nicht erst seit der Finanzkrise 2008/09) erlebte die Kapitalismuskritik eine Renaissance. Marx wurde wieder zu einem der wichtigsten Bezugspunkte für ökonomische, philosophische und gesellschaftspolitische Debatten – sei es in kritischer Abgrenzung oder in positiver Bezugnahme. Gestern noch scheinbar veraltete Begriffe wie „Arbeit“, „Klassenkampf“ oder „Ideologie“ werden heute im Rahmen von feministischen, postkolonialen und globalisierungskritischen Politikentwürfen neu interpretiert: Welche Impulse geben Marx‘ Werke für die gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen von heute und morgen? Dieser Frage widmet sich das Studium generale in diesem Semester in vier Vorträgen.

In wöchentlichen Terminen bietet Christina Schües einen Lektürekurs als Wahlfach zur selbständigen Auseinandersetzung mit einigen Schriften von Marx an.

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Prof. Dr. em. Birgit Mahnkopf

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