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Dienstag, 14.05.2019

Forschung

Dr. Jan Philip Kolb bei der diesjährigen Nobelpreisträgertagung

Am 69. Lindau Nobel Laureate Meeting vom 30. Juni bis 5. Juli nimmt aus Lübeck erstmals ein Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich Physik und angrenzende Fächer teil

Dr. rer. nat. Jan Philip Kolb aus dem Institut für Biomedizinische Optik hat als einer von 580 Young Scientists aus 88 Ländern die ehrenvolle Einladung erhalten, am Bodensee für eine Woche mit 39 Nobelpreisträgern zum wissenschaftlichen Austausch und einem inspirierenden Dialog zusammenzutreffen.

Die Lindauer Tagung hat sich seit ihren Anfängen 1951 zu einem einzigartigen Forum der internationalen Begegnung unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Forschungsbereiche entwickelt. Im jährlichen Wechsel ist sie den Nobelpreis-Disziplinen Physiologie oder Medizin, Physik und Chemie gewidmet. Bereits 1953 fiel die Entscheidung, auch Studierende, Doktoranden und Postdoktoranden zum gemeinsamen Dialog einzuladen.

Dr. Jan Philip Kolb hat in Lübeck 2018 mit einer Arbeit über „Verbesserung und Anwendung der ultraschnellen optischen Kohärenztomographie am menschlichen Auge“ mit summa cum laude promoviert. Auf internationalen Leitmessen ist er mit zahlreichen Vortrags- und Posterpreisen ausgezeichnet worden. Er hat sich erfolgreich um ein renommiertes Postdoktoranden-Stipendium für transnationale Forschungsarbeiten beworben und forschte  im Rahmen eines Projekts am Medizinischen Laserzentrum Lübeck.

Herr Dr. Kolb, was haben Sie empfunden, als Sie von Ihrer Einladung zu dem Laureate Meeting erfuhren?

Ich habe mich riesig gefreut, als ich erfuhr, dass ich tatsächlich einer der 580 jungen Wissenschaftler bin, die an dem Meeting teilnehmen dürfen. Darüber hinaus bin ich meinem Doktorvater Prof. Robert Huber sehr dankbar dafür, dass er sich hier für meine Nominierung durch die Universität eingesetzt hat, die die erste Hürde der Bewerbung neben dem darauffolgenden Auswahlverfahren darstellt.

Welche Aspekte Ihres bisherigen Werdegangs haben dazu beigetragen, dass Sie als teilnehmender Nachwuchswissenschaftler in Frage kamen?

Vor meiner Doktorarbeit habe ich Physik studiert, den Themenschwerpunkt des diesjährigen Treffens. Ein entscheidendes Kriterium im Bewerbungsverfahren ist neben der fachlichen Eignung die Qualität der bisherigen eigenen Publikation und der Beitrag, den man geleistet hat, um das wissenschaftliche Feld voranzubringen. Da waren meine zehn Erst- und Coautorenschaften in internationalen Journalen sicher eine gute Grundlage. Zusätzlich hatte mir mein Doktorvater die Möglichkeit gegeben, viel zu reisen und meine Arbeiten auf zwölf verschiedenen internationalen Konferenzen zu präsentieren, bei welchen ich auch einige Preise gewonnen habe. Außerdem hatte ich von der SPIE (International Society for Optics and Photonics) letztes Jahr das Franz-Hillenkamp-Stipendium über 75.000 USD erhalten, das mir meine Stelle als Postdoc für ein Jahr bezahlt hat.

Auf welchem Gebiet forschen Sie an der Universität zu Lübeck? Welches sind Ihre näheren und weiteren Forschungs- und Berufsziele?

Ich arbeite am Institut für Biomedizinische Optik (BMO) und beschäftige mich mit medizinischer Bildgebung. Während meiner Doktorarbeit habe ich die Anwendung und Technik der ultraschnellen optischen Kohärenztomographie mit Hilfe von Fourier Domain Mode-Locked Lasern am Auge weiterentwickelt, und in diesem Fachbereich bin ich auch weiter in betreuender Funktion in unserer Arbeitsgruppe tätig. Derzeit beschäftige ich mich aber mit der Entwicklung eines neuen Multiphotonenmikroskops für die Pathologie. Wir möchten den Ärztinnen und Ärzten das sehr zeit- und arbeitsaufwendige Schneiden der Gewebeproben ersparen, bevor diese mit dem Mikroskop auf verschiedene Krankheitsbilder hin untersucht werden können. Mit der Multiphotonenmikroskopie kann man die Eigenfluoreszenz der menschlichen Zellen ausnutzen und 3D-Bilder von ungeschnittenen Gewebeproben erstellen. Um die Ergebnisse auch in der Praxis einzusetzen, plane ich, Fördergelder zu beantragen und damit eine eigene Firma zu gründen.

Wie würden Sie Ihre Arbeitsbedingungen in Lübeck charakterisieren?

Für mein Forschungsfeld sind die Universität zu Lübeck und das BMO ideal: Die Forschungsinteressen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen eng beieinander, man profitiert vom regen Austausch untereinander und dem vorhandenen Equipment. Am benachbarten Uniklinikum gibt es zahlreiche interessierte Ärztinnen und Ärzte, mit denen unser Institut bereits kooperiert oder die für Zusammenarbeit zur Verfügung stehen. Dadurch lassen sich unsere Forschungsarbeiten auf ideale Weise in Patientenstudien validieren. Wir profitieren zudem vom angeschlossenen Medizinischen Laserzentrum, das eine große Expertise im Bereich der Entwicklung und Zulassung von klinischen Prototypen für solche Studien zur Verfügung stellt.

Mit welchen Erwartungen sehen Sie der Tagung entgegen?

Die Veranstaltung bietet die einzigartige Gelegenheit, sich mit einer großen Zahl von Nobelpreisträgerinnen und -trägern zu treffen und zu diskutieren. Sie haben Dinge geschaffen, die das Leben vieler Menschen erheblich verbessert haben und/oder etwas sehr Wesentliches entdeckt. Ich erhoffe mir hochkarätige Vorträge und persönliche Geschichten,  die meine weitere Karriere in der Forschung bereichern werden. Die zweite große Chance, die ich in dem Treffen sehe, ist, sich mit anderen motivierten und talentierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der ganzen Welt zu treffen und zu diskutieren. Der Austausch zwischen diesen beiden Gruppen wird sicher sehr inspirierend für beide Seiten sein und  es mir erlauben, Ideen  zu sammeln und neue Wege einzuschlagen.

Gibt es bestimmte Fragen, die Sie dort gern stellen oder diskutieren würden?

Eine konkrete Frage habe ich aktuell nicht. Ich würde aber gerne über den Nutzen der Wissenschaft für die Gesellschaft reden, wie man diesen noch weiter verbessern und den Menschen auch vermitteln kann. Gerade in der aktuellen politischen Situation scheint mir insbesondere Letzteres immer wichtiger zu werden.

Wie schätzen Sie die Bedeutung der Nobel Laureate Meetings für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter dem Motto „Educate, Inspire, Connect“ und die Möglichkeit, Netzwerke aufzubauen, für sich persönlich ein?

Ich glaube, dass man viel von den Nobelpreisträgern lernen, sehr hilfreiches Feedback bekommen und sich von ihnen motivieren und inspirieren lassen kann. Das bringt die eigene Forschung voran und hilft vielleicht auch anderen, etwas zu entwickeln, das das Leben anderer Menschen verbessern könnte. Während meiner wissenschaftlichen Karriere wurde mir klar, wie wichtig es ist, sich mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszutauschen, um neue Ideen zu entwickeln, Feedback zur Forschung anderer zu geben und Feedback zu eigenen Projekten zu erhalten. Die Tagung wird sicher auch eine gute Möglichkeit bieten, Netzwerke zu bilden, um den Grundstein für zukünftige Kooperationen zu legen.

  • Lindau Nobel Laureate Meetings
    Es waren zwei Lindauer Ärzte, die Anfang der 1950-er Jahre mit der Idee zu einer Konferenz mit Nobelpreisträgern an Lennart Graf Bernadotte af Wisborg herantraten. Graf Bernadotte – ein Enkel König Gustavs V. von Schweden – verfügte über ausgezeichnete Beziehungen nach Stockholm. Insbesondere seinen Bemühungen ist es zu verdanken, dass sich damals sieben Nobelpreisträger bereit erklärten, an der ersten „Europa-Tagung der Nobelpreisträger” teilzunehmen. Sie wurde auch als europäische Initiative zur Aussöhnung der Wissenschaft nach dem Krieg begriffen.

Dr. Jan Philip Kolb