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Dienstag, 26.11.2019

Lehre

Biometrie und Statistik: Ist das jetzt signifikant?

Prof. Dr. Inke König, Direktorin des Instituts für Medizinische Biometrie und Statistik, stellte sich am 26. November mit ihrer Antrittsvorlesung vor

Ihr Thema: „Ist das jetzt signifikant?“ In den vergangenen Jahren haben eine Reihe einschlägiger Publikationen auf das Problem einer mangelnden Reproduzierbarkeit in der biomedizinischen Forschung aufmerksam gemacht. Als Gründe hierfür werden häufig wenig robuste Studiendesigns oder mangelhafte Anwendung und Interpretation der Statistik angegeben.

Letzteres wurde von statistischen Fachgesellschaften aufgegriffen, die hier vor allem verbreitete irreführende Interpretationen von p-Werten und Signifikanz kritisieren. Zur Lösung sind in der Folge eine Vielzahl von Vorschlägen gemacht worden, sowohl aus biostatistischer als auch aus anwendungswissenschaftlicher Perspektive. Prof. König stellte einige von ihnen in ihrer Vorlesung vor.

Inke Regina König, 1972 in Göttingen geboren, studierte in Marburg Psychologie. Diplom 1997, Auslandsaufenthalt in Dundee (Schottland), danach war sie wissenschaftliche Angestellte am Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie der Philipps-Universität Marburg. 2002 promovierte sie in Lübeck zur Dr. rer. biol. hum., 2008 wurde sie hier im Fach Medizinische Biometrie und Epidemiologie habilitiert und ist seit 2010 Professorin.

Präzisionsmedizin

Prof. Königs wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte liegen zum einen in der genetischen und molekularen Epidemiologie. Sie betreffen hier vor allem das Design und die Analyse von großangelegten genomischen Studien und die Untersuchung von interaktiven Effekten. Zum anderen betreibt sie klassische Biostatistik, was die biometrische Begleitung von Therapiestudien sowie die Modellierung von Prognose beinhaltet. Ein Fokus liegt dabei auf der Entwicklung und dem Vergleich von Algorithmen des maschinellen Lernens.

Besonders liegt ihr die Präzisionsmedizin am Herzen, also die klinische Translation von umfassenden Phänotyp- und Hochdurchsatzdaten in die Prognose und in therapeutische Strategien. Hier interessiert sie sich aktuell für drei Routen: (1.) das Verwenden von Ergebnissen der genetischen und molekularen Epidemiologie, um die Entwicklung von Erkrankungen, die Prognose nach einem Erkrankungsbeginn oder den Erfolg therapeutischer Interventionen vorherzusagen, (2.) die Analyse von genetischen und anderen molekularen Daten hinsichtlich unbekannter Strukturen und das Anwenden von statistischen Methoden auf „Deep phenotyping“-Daten, um zugrundeliegende Muster zu charakterisieren, und (3.) das Einsetzen von Biomarkern direkt in klinischen Therapie-Studien.

Gemeinsam nach sinnvollen und praktikablen Analysestrategien suchen

In einer Reihe von klinischen Studien arbeitet sie als verantwortliche Biostatistikerin, meist in Kooperation mit dem Zentrum für Klinische Studien der Universität zu Lübeck. Mit eigener methodischer Forschung und biostatistischer Unterstützung von Partnerprojekten ist die derzeit an den folgenden Forschungsverbünden beteiligt: Als Principal Investigator im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) und im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) in der „All Age Asthma Cohort“ (ALLIANCE) sowie als Teilprojektleiterin in der Klinischen Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu „Pemphigoid diseases – molecular pathways and their therapeutic potential“ (Sprecher: Prof. Dr. Detlef Zillikens) und der Forschergruppe zu „Reduced penetrance in hereditary movement disorders“ (Sprecherin: Prof. Dr. Christine Klein, beide Universität zu Lübeck).

Als allgemeines Ziel ihrer Arbeit nennt sie, die Zuverlässigkeit und Robustheit von Forschungsergebnissen zu verbessern, um damit auch die Chance auf Reproduzierbarkeit von Ergebnissen aus biomedizinischen Studien zu erhöhen. „In meinem Fach bedeutet das vor allem, die Transparenz von Daten und Analysestrategien zu stärken“, sagt Prof. Dr. Inke König und fügt hinzu: „Über mein eigenes Fach hinaus sehe ich uns in der Verantwortung, gemeinsam nach sinnvollen und zugleich praktikablen Strategien zu suchen.“

Prof. Dr. Inke König (rechts) im Anschluss an ihre Antrittsvorlesung mit der Vorsitzenden des Akademischen Senats, Prof. Dr. Carla Nau (Foto: Susanne Reinke / Universität zu Lübeck)